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50 Jahre pro schlieren

Vereine, Wirtschaft
November 2016

Jubiliäum

Als Folge einer unrühmlichen finanziellen Zänkerei zwischen den Schlieremer Gewerbetreibenden und den Schlieremer Detaillisten haben 5 Mitglieder der damaligen Werbekommission der Detaillistengruppe zur Gründungsversammlung eingeladen. Am 10.6.1966 fand die Gründungsversammlung mit 13 Fachgeschäften statt.

 

Die Mitgliederzahlen stiegen erfreulicherweise rasch an, so gab es schon im ersten Vereinsjahr 38 Fachgeschäfte mit einem tollen Branchenmix, wie z.B. Metzgereien, Bäckereien, Milch-/Käsegeschäfte, Lebensmittelgeschäfte, Comestible-Märkte, Mercerie, Drogerien, Coiffeure, Fotofachgeschäfte, Herren- und Damenkleider, Papeterien usw. Zehn Jahre später, 1976, waren es bereits 56 Fachgeschäfte, welche den Einkauf in Schlieren attraktiv machten mit zusätzlichen Branchen, wie Spielwaren, Augenoptik, Musikhaus, Raucherwaren, Radio TV, Farbenzentrale, Reisbüro und viele weitere. Im Jahr 1989 waren es sogar 75 Mitglieder.

 

Von jeher waren die Schlieremer Detaillisten sehr aktiv und organisierten Weihnachtsaktionen, Samichlausumzüge, Fahrten ins Blaue mit der Kundschaft, Modeschauen, den beliebten Kalender und viele weitere Aktionen.

 

Als erstes Highlight dieser Anfangszeit darf wohl die 3. Frühjahrs-Modeschau im Salmensaal mit 497 zahlenden Besuchern erwähnt werden. 1988 wurde von pro schlieren der Kinderfasnachtsumzug mit anschliessender Party im Salmensaal zu neuem Leben erweckt, und rund 600 Kinder wurden mit Wienerli, Brot und einem Getränk verköstigt. Ebenfalls sehr erfolgreich waren der Besuch der Grün 80 mit dem Roten Pfeil und die Fahrt mit dem Extrazug an das Winzerfest von Lutry!

 

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Juni 1976, Heiri Lüthi (l.) und Karl Bischofberger.

 

Im Jahre 1993 schrieb das Limmattaler Tagblatt: Ein offener Sonntag in Schlieren «Tout Schlieren» auf die Beine zu bringen, auf dass allen klar werde, dass «Schlieren mehr hat, als man meint» – diese Parole in die Tat umzusetzen, ist ein Anliegen, dem sich Philipp Locher seit Jahren mit Hingabe widmet. Und dass dem Präsidenten der Detaillistenvereinigung pro schlieren dafür keine Idee zu verwegen ist, wissen alle, die je mit ihm zu tun hatten. Diese Zeilen standen im Zusammenhang mit einem Sonntagsverkauf, welcher zu dieser Zeit noch als Ding der Unmöglichkeit schien. Locher hatte jedoch die gesetzlichen Bestimmungen genau studiert und organisierte kurzerhand einen Samichlaus-Markt von grosser kommunaler Bedeutung auf den Strassen von Schlieren. 50 Fachgeschäfte und über 40 Marktstände machten spontan mit. Der Erfolg war umwerfend, denn nebst mehreren tausend Besuchern auf den Strassen und in den Geschäften, waren Presse, Radio und TV mit grossen Reportagen vor Ort. Schlieren war und ist somit der grosse Vorreiter der Sonntagsverkäufe und wurde in der Folge oft kopiert.

 

1998 folgte eine Aktion, welche der unnötigen Verschwendung der Tragtaschen galt. Sagenhafte 730 Körbe fanden dabei ihren neuen Besitzer, wobei einige noch heute auf Schlieremer Einkaufstour zu sehen sind!

 

Was für ein Aufstand war es 1999, als an 65 Standorten über 150 grössere und kleinere Zwerge Schlieren belebten. Als Bäcker, Metzger oder mit anderen Sujets bemalt wurden Sie von rund 700 Personen anlässlich eines kleinen Volkfestes empfangen. Pikantes Detail – die Zwerge hatten den berühmten Schlieremer Daumen nach oben gerichtet: «Mir läbed, schaffed und poschted z’Schliere.»

 

20161114235841975-1Philipp Locher bei seiner Rede 1999.

 

Nicht sehr grosse Freude hatten die pro schlieremer, als sie erfuhren, dass die Engstringerbrücke über die Bahngleise saniert und deshalb für längere Zeit gesperrt werden musste. Bei der Wiedereröffnung der Brücke 2004 gaben die Detaillisten ihrer Freude mit einem Brückenfest zum Ausdruck. Der legendäre «Brückenstutz» als neue Währung wurde geboren, und zum Schluss des Festes gab es erstmals seit Jahrzehnten ein Feuerwerk in Schlieren.

 

2014 wurde dank dem Einfluss von pro schlieren der 1. Mai zum verkaufsoffenen Feiertag in Schlieren erklärt – was vor allem für den Grossdetaillisten Bauhaus von legitimem Interesse war. Pikant: Schlieren, als bekannte «Arbeiterstadt», hat dank der Weitsicht der Stadtregierung so den Tag der Arbeit «abgeschafft».

 

Die persönlichen Beziehungen zu den Kunden und der Einkauf am Ort hatten zu früheren Zeiten eine ganz andere Bedeutung als heute mit Internet, Einkaufstourismus usw., dennoch versuchen die Fachgeschäfte pro schlieren mit cleveren Aktionen auf sich aufmerksam zu machen.

 

Heute noch aktuell ist die Gratisabgabe von Lampions an der Schlieremer 1.-August-Feier. Diese Tradition stammt aus dem Jahre 1982. Einmalig an dieser Aktivität war 1988, als pro schlieren «Schlieremer» Lampions anfertigen liess, welche grossen Anklang fanden und rasch ausverkauft waren. Noch älter ist die Verteilung des Kalenders, welcher erstmals 1967 an die Kunden verschenkt wurde und heute nicht mehr aus den Wohnungen der Schlieremer wegzudenken ist. Hier sei speziell erwähnt, dass der Kalender 2017 ein richtiger Schlieremer Kalender sein wird, welcher im Zeitraffer die Veränderungen des Stadtplatzes im Herzen von Schlieren aufzeigt. Mit dem Hüslimärt und dem Koffermarkt, der Schlieremer Wiehnacht sowie mit Teilnahmen an den Aktivitäten der Stadt Schlieren wollen die Detaillisten weiterhin ihre Präsenz manifestieren.

 

Heute ist die Zahl der selbstständigen Detaillisten auf knapp 30 aktive Verkaufsstellen gesunken, auch fehlen in Schlieren leider einige private Fachgeschäfte für den täglichen Einkauf. Im Gegenzug haben die Grossverteiler mengen- und flächenmässig stark zugenommen und viele Branchen, – vor allem der Modebereich, werden von Ketten beherrscht. pro schlieren wird weiterhin aktiv bleiben.

 

Text: Philipp Locher, Fotos: z.V.g.

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