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Schlieremer Jugend im Lockdown

Ein gähnend leerer Jugendraum, keine Musik, kein Lachen. Seit dem 13. März 2020 ist im Kultur- und Begegnungszentrum (Kube) alles anders. Aufgrund des Lockdowns mussten alle Projekte und Veranstaltungen abgesagt werden, und der Jugendtreff schloss auf unbestimmte Zeit seine Türen.

Am Anfang klang die Schulschliessung für viele Jugendliche, als ob der Sommer ihres Lebens vor der Türe stünde. Es war ihnen aber nicht bewusst, dass sie sich draussen nicht mehr mit ihren Freunden frei bewegen dürfen und viel Zeit alleine zuhause verbringen werden. Die Euphorie legte sich rasch, und Langeweile machte sich breit. Viele Jugendliche sehnten sich nach der Schule, den beliebten Freizeitaktivitäten wie Fussballspielen oder Tanzen sowie den fröhlichen Zusammenkünften im Kube zurück, wo sich zu normalen Zeiten bis zu 50 Jugendliche an einem Abend treffen. Mit den JugendarbeiterInnen vom Kube sind die Jugendlichen nur noch telefonisch und über die sozialen Medien in Kontakt.

Immer häufiger traf das Kube-Team Jugendliche auf den Schulplätzen an. Auch wenn es für Jugendliche besonders schwierig war, sich an die Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit zu halten, gaben sie sich grosse Mühe, diese einzuhalten. Aber sie sehnten sich bald nach etwas Normalität.

Jugendliche kaufen für SeniorInnen ein
Durch die Schliessung des Kube hatten die Mitarbeitenden der Fachstelle Jugend von einem Tag auf den anderen keine Arbeit mehr mit den Jugendlichen vor Ort. Die Idee des Projekts «Jugend hilft» des kantonalen Dachverbands der Zürcher Kinder- und Jugendarbeit kam deshalb wie gerufen. Grundgedanke war, dass sich die Jugendlichen und die JugendarbeiterInnen in den Dienst der Gesellschaft stellen. Das Kube-Team entwickelte rasch eine Einkaufshilfe für ältere Menschen, die zur Risikogruppe gehören. Flyer wurden gedruckt und mit dem Velo von Jugendlichen und JugendarbeiterInnen verteilt. Bald trafen die ersten Bestellungen von dankbaren älteren Menschen ein.

Fast täglich waren die Jugendlichen und JugendarbeiterInnen für grössere und kleinere Aufträge unterwegs. «Oft gab es ein kurzes Gespräch via Balkon oder Fenster. Das war toll. Es kamen Menschen in Kontakt, die vor der Krise null Berührungspunkte hatten», sagt Michael Koger, Leiter der Fachstelle Jugend. Der Jugendtreff Kube wird seine Türen nach den Sommerferien wieder öffnen und seine Räume dann hoffentlich mit Leben, Musik und Lachen füllen können.

 

4 Fragen an Federico
Federico Conte ist 11 Jahre alt und geht in die 5. Klasse im Schulhaus Hofacker, Schlieren.

Wie hast du diese Corona-Krise erlebt?
Am Anfang fand ich es schwierig. Ich durfte weder in die Schule gehen, noch konnte ich in meiner Freizeit Freunde treffen. Zudem mussten wir auf meinen Grossvater Rücksicht nehmen, der noch bei uns wohnt. Es wurde besser, als ich für ältere Menschen einkaufen gehen konnte und etwas zu tun hatte. Das machte mir Spass, und ich habe viele ältere Menschen kennen­gelernt, die sehr freundlich und dankbar waren.

Was hast du gemacht, um zu helfen?
Ich verteilte die Kube-Flyer, ging einkaufen und entsorgte Altglas oder Petflaschen. Ich machte auch Botengänge wie Briefe einwerfen und solche Sachen.

Hattest du mal Angst vor dem Virus?
Am Anfang hatte ich keine Angst. Doch dann, als ich hörte wie es in Italien immer schlimmer wurde, machte ich mir Sorgen – auch wegen meinem Grossvater. Dass ich helfen konnte, machte die Situation einfacher. Ich war immer sehr vorsichtig, wusch mir oft die Hände und benutzte Handschuhe und Desinfektionsmittel.

Was wirst du aus dieser Zeit mitnehmen?
Dass wir uns gegenseitig helfen sollten, in schwierigen, aber auch in guten Zeiten.