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Damit Senioren essen, jassen und wandern können

Die ehrenamtliche Ortsvertretung von Pro Senectute Kanton Zürich ist in Schlieren seit Jahren aktiv und gut verankert. Beliebt sind etwa der Mittagstisch mit 40 und die Wandergruppe mit fast 100 Mitgliedern. Aufgrund der Coronavirus-Schutzmassnahmen muss dieses Jahr die Geburtstagsfeier der 80-Jährigen verschoben werden.

Pro Senectute Kanton Zürich (PSZH) setzt sich seit über 100 Jahren für die ältere Bevölkerung im Kanton ein. Die ehrenamtliche Ortsvertretung in Schlieren wird seit 18 Jahren von Bruno Rüegg geleitet. Der 84-jährige war davor 32 Jahre lang im Gemeinderat und in der Rechnungsprüfungskommission der katholischen Kirche aktiv. «Wenn man so lange in der Legislative war, kennt man die Probleme in einer Gemeinde», sagt Rüegg. Statt nach der Pensionierung in den Ruhestand zu treten, engagierte er sich weiter– dieses Mal für PSZH: «Ich wollte mich aktiv für die Senioren einsetzen. Früher habe ich mich um die Jungen gekümmert, jetzt kümmere ich mich um die Alten», lacht der Ortsleiter.

Das Angebot in Schlieren ist breit – und das Engagement der Ehrenamtlichen gross. «Unsere Wandergruppe besteht aus 95 Wanderbegeisterten. Unser ältestes Mitglied ist ein Herr mit Jahrgang 1926, das Jüngste eine Dame mit Jahrgang 1959», erklärt Rüegg. Die Wanderer kommen nicht nur aus Schlieren, sondern auch aus umliegenden Gemeinden. «Bei uns ist jeder willkommen». Zwei Frauen und vier Männer haben die Ausbildung zum Sportleitenden Wandern abgeschlossen und sind für die Routenfindung und Durchführung zuständig.

Mit 94 Jahren noch am Wandern
Immer am ersten Donnerstag im Monat findet eine leichte Wanderung statt: Diese dauert zwei bis drei Stunden inklusive einer Mittagspause in einer Gaststätte oder einem Picknick. Jeweils am dritten Donnerstag im Monat trifft sich die Wandergruppe, die mit drei bis vier Stunden mittelschwere Wanderungen unternimmt. «Die Belegung variiert zwischen 15 bis 40 Wanderern», weiss Rüegg. Für die älteren Semester gibt es in jedem Quartal eine leichte Spazierwanderung, die in der nahen Umgebung stattfindet. Die Sportleitenden Wandern werden vom Ortsverein bezahlt. Die Teilnehmer leisten einen Jahresbeitrag von 30 Franken. Besonders Wanderfreudige können sich zudem einmal jährlich für die Vier-Tages-Wanderung anmelden: «Hier verzeichnen wir in der Regel rund ein Dutzend Teilnehmer. Dieses Jahr geht es in den Jura», verrät der Leiter der PSZH Ortsvertretung Schlieren.

«Wer lieber in der Nähe bleibt, kann jeden Dienstag und Mittwoch für eine Stunde ins Fitness und Gymnastik. Das findet zweimal pro Woche im Schulhaus Zelgli sowie im Gemeinschaftsraum an der Freiestrasse 1 statt. Einige Gruppen treffen sich einmal im Jahr zu einem Essen – dieses wird dann aus den bezahlten Beiträgen finanziert», sagt Rüegg.

Neben der Wandergruppe erfreut sich auch der Mittagstisch grosser Beliebtheit: «Wir sind meines Wissens nach die Einzigen im Kanton Zürich, die jeden Monat einen Mittagstisch anbieten». Hier treffen sich jeweils rund 40 Leute, die für 14 Franken ein Vier-Gang-Menü inklusive alkoholfreie Getränke serviert bekommen. «Das Durchschnittsalter dürfte bei 85 Jahren liegen. Die meisten Teilnehmer am Mittagstisch sind Alleinstehende. Wir möchten, dass diese Menschen mindestens einmal in der Woche ein warmes Zmittag bekommen und sich untereinander austauschen können», so Rüegg.

Ex-Fernsehköchin kocht für den Mittagstisch
Insgesamt betreuen drei Teamleiterinnen und 18 Freiwillige den Mittagstisch. Jeweils eine Teamleiterin und 4 Helfende sind anwesend, sie rüsten Gemüse, servieren und waschen ab. Die Menüs werden von insgesamt acht ehrenamtlichen Köchen zubereitet, die in Zweierteams arbeiten. «Dabei handelt es sich um ausgebildete Köche, die früher zum Beispiel in der Gastronomie oder Hotellerie tätig waren», sagt Rüegg. Besonders stolz ist er auf Irene Dörig: «Mit ihr konnte ich eine ehemalige Fernsehköchin für die gemeinnützige Arbeit gewinnen», freut sich Rüegg. Im vergangenen Jahr wurden an 45 Mittagstischen rund 1700 Menüs serviert. Wer am Mittagstisch teilnehmen will, kann sich jeweils bis 10.30 Uhr am Montag anmelden.

Beliebt ist auch der Spiel- und Jassplausch: Interessierte treffen sich am ersten und dritten Dienstag jeden Monats an der Lättenstresse 27 im Zelgliquartier. «Letztes Jahr wurde 23-mal gejasst und gespielt. Insgesamt kamen 322 Personen. Im Durchschnitt kommen pro Nachmittag 14 Personen – der Jassnachmittag hat sich rumgesprochen, wir haben auch Besucher aus den umliegenden Zürcher Gemeinden und sogar aus dem Aargau», berichtet Rüegg. Anmelden muss man sich nicht. Für zwei Franken kann man jassen und dazu ein Kafi und Guetzli geniessen.

Einmal monatlich findet im PSZH Dienstleistungszentrum an der Badenerstrasse 1 das «Erzählkafi» statt. Jeweils von 17 bis 18.45 Uhr diskutieren Interessierte ein vorher festgelegtes Thema. «Wir haben hier zwischen sechs bis acht Teilnehmende. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich», sagt Rüegg.

An dieser Stelle möchte Bruno Rüegg die Gelegenheit nutzen und allen Freiwilligen ein ganz herzliches Dankeschön für ihr äusserst wertvolles Engagement aussprechen.

Coronavirus-Pandemie hat Folgen
Der mit Abstand grösste Anlass in Schlieren ist zweifellos die jährliche Geburtstagsfeier der 80-Jährigen. «Wir laden jedes Jahr zwischen 90 bis 100 Personen ein, die ihren 80. Geburtstags feiern», sagt Rüegg. Normalerweise findet die Feier am ersten Mittwoch im Juni statt. Dieses Jahr wäre sie für den 3. Juni geplant gewesen. Die Coronavirus-Krise macht der Ortsvertretung aber einen Strich durch die Rechnung: «Wir haben die Feier auf den 29. September verschoben. Zum Glück hat auch der Sänger, den wir verpflichtet haben, am Ersatzdatum Zeit. Hoffentlich kann der Anlass dann Ende September nachgeholt werden, sicher ist das nicht.» Das Team vom Mittagstisch sorgt jeweils im Stüürmeierhuus für das Essen und den Service. Die Gäste müssen nichts bezahlen. Die Kosten übernehmen zu ¼ die Stadt Schlieren, ¼ bezahlen jeweils die katholische und die reformierte Kirche Schlieren und ¼ steuert die PSZH Ortsvertretung bei.

Neu-Pensionierte werden alle zwei Jahre von Bruno ­Rüegg eingeladen: «Ich verschicke die Einladungen jeweils an rund 300 Personen aus zwei Jahrgängen». Vergangenes Jahr folgten 45 Personen der Einladung. Sie erhalten dabei einen Überblick über das Angebot von Pro Senectute Kanton Zürich und Bruno Rüegg motiviert sie, sich auch ehrenamtlich bei der Ortsvertretung oder in anderen Vereinen zu engagieren.

Finanziert wird die Ortsvertretung Schlieren zum einen aus den jährlich im Herbst von Pro Senectute Kanton Zürich gesammelten Spenden: «Davon erhalten wir 20 Prozent», sagt Rüegg. Bei Todesfällen wird oftmals auch ein Beitrag an Pro Senectute Kanton Zürich gespendet – der Ortsverein erhält hieraus 10 Prozent. «Wir kommen so in der Regel knapp durch». Doch dieses Jahr rechnet er mit einem Verlust. «Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten wir alle Angebote einstellen. Wir hoffen, dass wir den Mittagstisch wie auch die anderen Angebote bis Mitte Sommer wieder aufnehmen können. Wir halten uns hierbei an die Empfehlungen von PSZH und jene des Bundesamtes für Gesundheit», erklärt Rüegg.

Das Dienstleistungscenter der PSZH in Schlieren bietet darüber hinaus weitere Dienstleistungen für Seniorinnen und Senioren an. «Wir haben unentgeltliche Sozialberatungen sowie einen Treuhanddienst», sagt Jörg Stüdeli, Bereichsleiter des Dienstleistungscenters Limmattal und Knonaueramt. Seit Herbst 2019 wird auch eine Büroassistenz angeboten – und ist seitdem stark nachgefragt: Stirbt beispielsweise der Ehepartner, der bislang für die Rechnungen zuständig war, ist der hinterbliebene Partner oft überfordert mit der Bewältigung der Administration. Freiwillige besuchen die Hinterlassenen auf Wunsch ein- bis zweimal monatlich und bieten administrative Unterstützung. «In der Regel haben die Betroffenen nach drei bis sechs Monaten gelernt, wie sie selbständig Rechnungen bezahlen oder andere administrative Arbeiten ausführen können», erklärt Stüdeli. Die Büroassistenz kostet 86 Franken pro Stunde. «Wer diesen Betrag nicht aufbringen kann, für den finden wir eine andere Finanzierungsmöglichkeit», betont Stüdeli. Denn alle sollen auf die Dienstleistungen zurückgreifen können. Auch das Ausfüllen der Steuererklärung gehört zu den oft genutzten Angeboten. Dies übernehmen freie Mitarbeiter von PSZH, die auf das Thema spezialisiert sind.

Ebenfalls beliebt ist das Projekt «Generationen im Klassenzimmer». In Schlieren sind dafür derzeit sieben Senioren im Einsatz. Sie besuchen zwischen zwei bis vier Stunden pro Woche eine oder selten auch zwei Schulklassen. «Der Einsatz der Senioren im Klassenzimmer wird von allen Seiten – Lehrer, Schüler und Senioren – als sehr bereichernd empfunden», sagt Franziska Marty-Gallati, Gemeinwesenberaterin des Dienstleistungscenters Limmattal und Knonaueramt.

Viel freiwillige und ehrenamtliche Arbeit
Das PSZH Dienstleistungscenter versucht, wo immer möglich, mit Freiwilligen, Ehrenamtlichen oder freien Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. «In der Sozialberatung sowie im Treuhanddienst arbeiten wir jedoch mit Festangestellten», sagt Stüdeli. Finanziert wird das Dienstleistungscenter zum einen durch Subventionen vom Bundesamt für Sozialversicherungen, Spenden, die Stiftung selbst und durch Dienstleistungsverträge sowie einer Leistungsvereinbarung mit der Stadt Schlieren.

Durch die Coronavirus-Pandemie haben sich auch die Anfragen geändert: «Vor allem zu Beginn der Krise wussten viele Senioren nicht, was sie machen müssen und wie sie die Massnahmen umsetzen sollen oder auch müssen.» Sorgen macht Stüdeli vor allem die Isolation der älteren Menschen: «Isolation ist sowieso ein Thema im Alter, dieses wird durch die Coronavirus-Schutzmassnahmen noch verstärkt.» Bis Ende Mai wird PSZH entscheiden, in welcher Form und mit welchen Massnahmen die Dienstleistungen in den 7 Dienstleistungscentern im ganzen Kanton wieder aufgenommen werden können.

 

Text: Linda von Euw; Fotos: zVg