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«Das Verkehrssystem braucht neue Wege»

Limmattalbahn
September 2017

Die Limmattalbahn stelle die hohe Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs im Limmattal sicher und entlaste das Strassennetz, sagt Bundespräsidentin und Verkehrsministerin Doris Leuthard im Interview mit dem «Schlieremer».

 

Zusammen mit der Zürcher Regierungsrätin und Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker-Späh und dem Aargauer Landammann und Baudirektor Stephan Attiger hat Bundespräsidentin und Verkehrsministerin Doris Leuthard am vergangenen 28. August in Schlieren mit dem Spatenstich den offiziellen Startschuss zum Bau der Limmattalbahn gegeben. Diese brauche es, weil weder die bestehenden Strassen noch die jetzigen S-Bahn- und Buslinien den zu erwartenden Mehrverkehr im Limmattal bewältigen könnten, argumentiert die Magistratin.

 

Schlieremer: Frau Leuthard, Sie sind extra zum Spatenstich der Limmattalbahn angereist. Warum ist Ihnen das Projekt so wichtig?

Doris Leuthard: Das Limmattal hat eine starke Bevölkerungszunahme, und das Verkehrssystem bedarf dringend neuer Wege. Die Limmattalbahn verbindet zwei Kantone, zahlreiche Gemeinden und Agglomerationen und dient so der wirtschaftlich boomenden Region. Sie ist ein vorbildliches Projekt im Rahmen der Agglomerationsprogramme, die darauf abzielen, Verkehrs- und Siedlungsentwicklung gut aufeinander abzustimmen.

 

Schlieremer: Welche Bedeutung messen Sie dem öffentlichen Verkehr im Limmattal zu?

L.: Das Limmattal ist die grösste Agglomeration im Westen Zürichs und die wichtigste Brücke in den Aargau und die Region Baden. Es gehört zu den wirtschaftlichen Motoren der Schweiz – entsprechend wichtig sind gute Verkehrsverbindungen. Wo gelebt und gearbeitet wird, bewegen sich Menschen. Bislang führte vieles über die Strasse. Der öffentliche Verkehr bringt mit der Limmattalbahn Entlastung, ihm kommt eine entsprechend wichtige Rolle zu.

 

Schlieremer: Das Projekt der Limmattalbahn sieht auch ergänzende Massnahmen zugunsten des Privatverkehrs mit Autos und Velos und zugunsten der Fussgänger vor. Ist das wegweisend?

L.: Ja. Mit den Agglomerationsprogrammen hat der Bund ein Instrument geschaffen, das Kantone und Gemeinden dazu zwingt, Verkehrsprojekte gemeinsam zu planen, um finanzielle Unterstützung des Bundes zu erhalten. Entscheidend ist auch, dass verkehrsträgerübergreifend gute Lösungen entwickelt werden, dass also auch geprüft wird, wie Strasse, Bus, Tram, Fuss- und Velowege gut aufeinander abgestimmt werden können.

 

Schlieremer: Der Bund finanziert 35% der Baukosten der Limmattalbahn. Was waren die Beweggründe dafür?

L.: Die Limmattalbahn stellt die hohe Leistungsfähigkeit des ÖV entlang der Talachse sicher und entlastet das Strassennetz. Durch die neuen, verbesserten Verbindungen wird das ganze Verkehrssystem gut untereinander koordiniert und deutlich verbessert. Gleichzeitig wird die Siedlungsentwicklung in diesem Gebiet kantonsübergreifend abgestimmt und auf mit dem öffentlichen Verkehr erschlossene Gebiete konzentriert. Das erlaubt es, die noch vorhandenen Grünräume zu schonen und die Landschaftsqualität aufzuwerten.

 

Schlieremer: Zwischen Zürich-Altstetten und Killwangen-Spreitenbach fahren schon heute Busse. Auch verkehren auf dieser Strecke S-Bahnen. Warum braucht es jetzt noch die Limmattalbahn?

L.: In den nächsten Jahren wird für das Limmattal ein starker Anstieg der Wohnbevölkerung und der Arbeitsplätze prognostiziert. Das führt zu mehr Verkehr. Weder die bestehenden Strassen noch die jetzigen S-Bahn- und Buslinien können den Zusatzverkehr bewältigen. Dank der Limmattalbahn können mehr Passagiere transportiert werden, und wir erreichen so auch die raumplanerisch gewünschte, konzentrierte Siedlungsentwicklung entlang der Hauptverkehrsachsen. Während die Busse die Feinerschliessung sicherstellen und die S-Bahn die grösseren Ortszentren verknüpft, sorgt die Limmattalbahn im Raum dazwischen für eine deutliche Verbesserung der Erreichbarkeit und eine Verkürzung der Reisezeiten.

 

Schlieremer: Die Limmattalbahn ist in der kantonalen Volksabstimmung in Dietikon und Schlieren – Städten, die eigentlich Hauptprofiteure des Projekts sein sollten – deutlich abgelehnt worden. Was sagen Sie den Leuten, die Nein gestimmt haben?

L.: Den Ausschlag dafür gaben neben Bedenken zur Linienführung wohl die Angst vor den Auswirkungen während der Bauzeit und das Kostenargument. So verständlich diese Überlegungen sind: Die Verantwortlichen setzen alles daran, die Auswirkungen möglichst gering zu halten und die Mittel effizient einzusetzen. Ich denke, wenn die Limmattalbahn fertig ist, wird noch besser verständlich, dass sich das Projekt gelohnt hat. Ich gehe davon aus, dass dann auch manch ein Skeptiker das Angebot nutzen und die Vorteile schätzen wird. Direkt Betroffene sind bei einem Verkehrsprojekt zuerst oft skeptisch. So hat Schwamendingen einst das Tram abgelehnt und Bümpliz das Tram Bern West. An beiden Orten möchte heute kaum jemand mehr das Tram missen.

 

Schlieremer: Eine Volksinitiative verlangt, dass die zweite Etappe der Limmattalbahn ab Schlieren nicht gebaut wird. Was würde das für das Projekt bedeuten, wenn die Initiative vom Zürcher Stimmvolk angenommen würde?

L.: «Der Nutzen der Limmattalbahn ist so gross, dass aus meiner Sicht dieses überzeugende Projekt vollständig realisiert werden sollte. Aber in einer Demokratie ist es das gute Recht aller Leute, sich des Instruments der Volksinitiative zu bedienen. Für die Bevölkerung und die weitere Entwicklung des Limmattals wäre es sehr schade, wenn dieses zukunftsweisende Projekt nicht wie geplant realisiert werden könnte.»

 

Text und Fotos: Martin Gollmer

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