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Die ehemalige Pestalozzi-Siedlung auf dem Schlieremer Berg

Geschichte
September 2018

Von der Gründung 1867 bis zum Umbruch vor 50 Jahren.

 

Die Ursprünge

Auf den Schlieremer Berg führt, wenn man von der Post Mülligen herkommt, südwärts der Pestalozzi-Weg. Der Wanderer mag sich fragen: Woher kommt der Name – und hat das etwas zu tun mit unserem Erziehungs-Nationalheiligen Johann Heinrich Pestalozzi?

 

In der Tat: Während 100 Jahren, von 1867–1967, führte die 1857 gegründete Zürcherische Pestalozzi-Stiftung (eine «Tochter» der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Zürich, ihrerseits 1829 gegründet) hier ein Heim für «schwererziehbare Knaben». Dies sollte im Geiste Pestalozzis geschehen: Mit Kopf, Herz und Hand, so wie er das in Yverdon, Stans und auf dem Neuhof bei Brugg getan hatte. Teile des Instituts stehen noch heute, stark umgebaut allerdings. Es ist der Bauernhof der Familie Meyer. Um zu verstehen, was es mit der Pestalozzi-Siedlung auf sich hatte, müssen wir einen Umweg in vergangene Zeiten machen.

 

Umstände und Zeitgeist im 19. Jahrhundert: Die Schweiz – ein armes Land

Wir kennen die Schweiz heute als ein reiches, wohlorganisiertes Land mit all seinen sozialen Sicherungen. Aber wir müssen uns an die Lebensumstände im 19. Jahrhundert erinnern. Unser Land war arm, man sprach vom Pauperismus (was etwa mit «Verelendung» übertragen werden kann). Missernten, Hungersnöte, schlecht bezahlte Heimarbeit, die einsetzende Industrialisierung mit ihrer Landflucht führten zu einer Verstädterung und Lohndruck, 12-Stunden-Arbeitstagen und Kinderarbeit. Die Wohnverhältnisse in den Städten waren oft erbärmlich: Die Wohnungen waren dunkel und feucht, die sanitarischen Einrichtungen kaum vorhanden. Manchmal lebte pro Raum eine Familie, tagsüber wurde sie mit «Schlafburschen» belegt.

 

Leicht vorzustellen, dass auch die sozialen Folgen gravierend waren: Das Familienleben war oft in Auflösung, die Sitten rau, die Ernährung katastrophal. Die Gesundheitsfolgen: Geschlechtskrankheiten, die Krätze, Verlausung, die «englische Krankheit» (Rachitis). Noch 1855 und 1867 wütete eine Cholera-Epidemie in Zürich, 1884 eine Typhus-Epidemie. Die Tuberkulose (auch «Schwindsucht» genannt) galt im 19. Jahrhundert als Volksseuche. Ihr Erreger wurde 1882 durch Dr. Robert Koch entdeckt, aber noch um 1900 waren in der Schweiz fast alle Kinder mit dem Erreger angesteckt.

 

Kaum zu glauben – aber wir sprechen von der Schweiz! In vielen kinderreichen Familien spielte der Alkohol eine unselige Rolle. Ledige Mütter kamen kaum über die Runden und fielen der kirchlichen Fürsorge anheim, denn ein staatliches Auffangnetz gab es kaum. Das moderne eidgenössische Fabrikgesetz von 1877 schützte zwar Frauen und Kinder, aber erst 1905 wurde z.B. die Samstags-Arbeit auf neun Stunden (!!!) begrenzt. Noch 1880 waren erst etwa 5 % der Bevölkerung (in bescheidener Art) krankenversichert. Arztkosten mussten selbst getragen werden; diese Hilfskassen bezahlten nur eine Art Lohnausfall. Das erste nationale Kranken- und Unfallgesetz erlitt 1900 in der Volksabstimmung eine klare Niederlage.

 

Die «soziale Frage» oder das «Jahrhundert der Anstalten»

Dies alles wurde zusammengefasst unter dem Begriff «Soziale Frage». Der Staat blieb aussen vor, gewerkschaftliche oder politische Anstrengungen wurden ausgebremst. Die Armut sei erblich, fand der britische Pfarrer Thomas Robert Malthus. Nach ihm muss es Armut geben; Gott will es. Die vorherrschende religiös-sittliche Theorie sah die Zerfallserscheinungen infolge Veränderung der gottgewollten Ordnung, z.B. durch die französische Revolution. Armut war also selbstverschuldet, sie galt als sich immer wiederholend  (perpetuierend). Es wurde daher zur vornehmen Aufgabe der philantropischen bürgerlichen Oberschicht und auch der Kirchen, wohltätig zu sein. Diese Hilfe war oft international – sogar der russische Zar Alexander I spendete Geld, nämlich 1817 für die «Linthcolonie» im Kanton Glarus. Mit Heimen und Hilfswerken wurden so die gröbsten Lücken geschlossen. So wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine ganze Anzahl von Heimen und Anstalten gegründet – für Arme, Taubstumme, Schwachsinnige, Schwangere, Waisen usw. Dem paternalistischen Zeitgeist entsprechend hiessen diese Einrichtungen manchmal auch «Korrektionsanstalten», «Rettungsanstalten» oder gar «Zwangserziehungsanstalten». Armut war immer auch mit einem moralischen Makel behaftet. Schweizweit etwa 200 dieser Heime waren organisiert im Schweizerischen Armenerzieherverein, einem Vorläufer der heutigen Curaviva. Allein im Kanton Zürich wurden 1882 etwa 350 «verwahrloste Kinder in Rettungsanstalten betreut», wobei der Regierungsrat die genaue Anzahl nicht angeben konnte.

 

Kinder aus sittlichem Verderben zu retten und vor demselben zu schützen, durch Weckung christlichen Sinnes, durch Unterricht, durch Gewöhnung an geordnete Arbeit und gute Zucht, so stand es am Kopf der Statuten. Aus heutiger Sicht erscheint der vorherrschende Geist in diesen Heimen oftmals zwiespältig. Die Bewohner wurden betrachtet als verkommene Subjekte; es galt, ihnen Arbeitsamkeit und Gottesfurcht beizubringen. Familien wurden auseinandergerissen, es gab Zwangseinweisungen. Die Erziehungsmethoden waren hart, Missbrauch war gewiss nicht unbekannt. Verschiedene Schriftsteller (siehe später) haben sich, aus eigener Betroffenheit, damit auseinandergesetzt.

 

Das Heim auf dem Schlieremer Gut «Zur Hoffnung»

Zurück zur Pestalozzi-Siedlung in Schlieren. Die Zürcherische Pestalozzi-Stiftung hatte im ganzen Kanton nach passenden Gebäulichkeiten für eine Erziehungsanstalt gesucht. Zur Auswahl standen drei Höfe, u.a. auch das Gut Bocken in Horgen. In Schlieren, damals ein Bauerndörfchen mit etwa 700 Einwohnern, wurde man fündig.

 

Am 28.8.1867 war es so weit: Das «Comité für die Pestalozzistiftung» kaufte von Salomon Huber aus Prag (Maschinenfabrik für Textilfärbemaschinen) besagten Hof zur Hoffnung in Schlieren. Der Hof war, wie er spätere Heimleiter Fausch schrieb, damals schon über 200 Jahre alt. Huber hatte es aus dem Nachlass und Konkurs von Johann Caspar Wettstein bezogen. (Johann Caspar Wettsteins Initialen CWI stehen heute noch am Brunnentrog). Zur etwas heruntergekommenen Liegenschaft gehörten ein Wohnhaus, eine Scheune und Stall, Wagenschopf, Waschhaus, Schweineställe und immerhin etwa 30 ha Land.

 

 
Den Kauf endgültig ermöglicht hatte der Mailänder Seidenfabrikant Johannes Schoch mit einer Spende von Fr. 50’000.–.  Schoch, ursprünglich aus Fischenthal, hatte in Mailand im Textilhandel ein Vermögen gemacht und war im Kanton berühmt für seine Wohltätigkeit – er hatte u.a. der ETH, der Tösstalbahn und dem Kantonsspital Winterthur namhafte Beiträge gestiftet,
auch ein Sekundarschulhaus in Fischenthal finanziert. (Übrigens hatte die Gemeinde Fischenthal seit dieser Zeit das Recht, einen Freiplatz für einen Zögling zu beanspruchen…).

 

Das Pflänzlein gedeiht

Der eigentliche Betrieb begann am 10. November 1867; vier «Zöglinge» traten ein und wurden von «Waisenvater» Peter Tschudi empfangen, welcher bis 1893 in ähnlichen Anstalten wie in der vorerwähnten «Linthcolonie» gewirkt hatte. Er war ein ausgewiesener Landwirt und Verfasser mehrerer Bücher zur Bodenverbesserung, Düngung und Viehhaltung. In den nächsten Jahren wuchs die Zahl der Knaben auf zwanzig; die Stiftung vertraute auf die «Liberalität des zürcherischen Volkes zu Stadt und Land, dass es den noch jungen Pflanzen schon die Mittel reichen werde zur allmäligen Erweiterung», wie es in einem Jahresbericht heisst. Im 20. Jahrhundert waren es dann immer um die 40 «Zöglinge».

 

Der Ort war günstig gewählt: «nahe der Stadt und doch an lieblich-idyllischer Lage». Das Land erwies sich als fruchtbar, und so wurde aus dem verlotterten Hof für 100 Jahre die Heimat für Knaben, deren Lebensweg von Kindheit an belastet war.

 

1872 wurde das Zürcher Volk zu einer Spende für die Erweiterung aufgerufen, und 1876 konnte das neue Schul- und Wohngebäude eingeweiht werden. Ab jetzt wurden immer etwa 40 Buben betreut. 1893 folgte der Anbau mit Speisesaal und Küche, 1900 der Erweiterungsbau des Schulhauses. Gespendet wurde damals nicht nur Geld, sondern auch z.B. 16 neue eiserne Betten mit Seegrasmatratzen.

 

Auf Peter Schmid folgten als «Waisenväter» ab 1893 Hans Tschudi-Müller, späterer Waisenvater in St. Gallen; 1906–1932 Hermann Bührer, 1932–1954 Gustav und Hedy Fausch. Letzte Leiter in Schlieren waren Eduard Handschin, Max Plüss und ab 1961 Hermann Stotz-Bopp. Für die etwa 40 Knaben sorgte meist ein Heimleiter-Ehepaar; daneben amteten zwei Lehrer (Ober- und Unterstufe). Jeweils 5 bis 7 Sekundarschüler machten täglich den Weg hinunter ins Rote Schulhaus). Es gab eine Köchin, einen Melker, zwei Gehilfen in der Landwirtschaft, zwei Gehilfinnen für die Hausarbeiten und eine Praktikantin, also knapp 10 Personen.

 

Im Jahresbericht 1871 heisst es, man müsse «die armen Knaben glücklich preisen, die früher von Natur und Schicksal stiefmütterlich ausgestattet und in mancherlei Verirrung geraten, nun unter ausgezeichneter Leitung zu nützlichen und glücklichen Menschen erzogen werden». Das hört sich herablassend an – aber wenn man bedenkt, dass noch 1951 von den 41 Buben 17 aus geschiedenen Elternhäusern kamen, 12 ausserehelich waren, 3 Halbwaisen und 9 aus Familien mit Alkoholproblemen, so kann man ermessen, dass die Aufgabe der Erzieher nicht leicht war. Es kam auch vor, dass Kinder von ihren Eltern einfach im Heim «deponiert» wurden, weil ihnen deren Zahl über den Kopf wuchs. Andere wurden von Armenbehörden, der Justiz oder der Polizei zugewiesen.

 

Die Satzungen der Stiftung legten 1904 als Zweck fest, «junge Knaben aus sittlichem Verderben zu retten und vor demselben zu beschützen». Mittel dazu waren die Weckung und Belebung des religiösen Sinnes, der Unterricht in der Schule und die Gewöhnung an geordnete Arbeit auf dem Hofe, zur weitgehenden Selbstversorgung. Dies war ganz im Sinne Pestalozzis: Eine Erziehung mit Kopf, Herz und Hand. Das Herz, das innerhalb der Familie nicht entfaltet wurde, sollte in der Ersatzfamilie des Heimes gesunden. Deswegen sprach man lange noch vom Hausvater und der Hausmutter. Die 40 Buben lebten in zwei bis vier «Familien» und wohnten in drei Schlafsälen. Ihr Aufenthalt dauerte meistens bis zur Konfirmation. Zugewiesen wurden diese Kinder von Vormündern, Jugendämtern, der Jugendanwaltschaft oder – seltener – von den Eltern.

 

So führte im Lauf der Jahre ihr Weg Hunderte von Kindern nach Schlieren, und es kann nicht ausbleiben, dass mit dem Heim allerhand fröhliche und traurige Schicksale verbunden sind – Geschichten von erfolgreichen Berufsleuten, Ausreissern, Ertrunkenen, von Widerspenstigen.

 

Der Jahreslauf auf dem Schlierenberg

Das Jahr der Schlieremer «Pestalozzianer» war sicher erfüllt von Arbeiten auf dem Feld, in der Holzwerkstätte und ums Haus, wie es uns schon die Aufnahmen aus den Jahren um 1890 zeigen. Ziel war eine weitestgehende Selbstversorgung aus den ungefähr 15 ha Landwirtschaftsland, die «Zöglinge» sollten durch regelmässige, nützliche Arbeit sittlich gefördert und geführt werden. So wurde tatsächlich auch die Zeit der Rationierung im Zweiten Weltkrieg gut überstanden; in der Siedlung herrschte kein Mangel, auch dank dem tüchtigen Heimvater Fausch. Nebst der «normalen» Land- und Viehwirtschaft hielt man Schafe und baute Flachs an für die hauseigene Weberei. In der Holzwerkstätte wurden Schlitten, Möbel und Ziergegenstände hergestellt, sogar Betten, Tische und Stühle aus eigenem Holz, in der Mosterei Apfelsaft. In der hauseigenen Schule erteilten die zwei Lehrer Unterricht; nur die schon erwähnten Sekundarschüler besuchten die öffentliche Schule.

 

Von den Lehrern heisst es übrigens, dass sie alle Idealisten gewesen sein müssen: Sie hatten wenig Freizeit, dafür Sonntagsdienste und nicht die langen «Lehrerferien». Dazu wurden sie erst noch bescheidener entlöhnt als ihre Kollegen an der öffentlichen Schule. Höhepunkte waren die Schulreisen: Auch während des Krieges  wurden solche durchgeführt – etwa zum Schloss Wildegg oder nach Rapperswil für die Unterstufe oder zu den Höllgrotten. Für die Oberstufe waren das mehrtägige Unternehmungen – z.B. eine dreitägige nach Disentis, eine andere auf das Faulhorn, eine ins Bedrettotal, eine ins Tessin nach Morcote oder eine mit Zeltübernachtung auf den Chasseral. Das Geld dafür kam durch Spenden zusammen. Dazu kamen etwa der «Krähhahnen», eine Art Erntedankfest mit Theaterstücken, Film und gemeinsamem Essen. Undenkbar war Weihnachten ohne ein Krippenspiel. Im Mai 1943, zum 75. Jubiläum, wurde eine Linde gepflanzt und in den Schutz ihrer Wurzeln eine Urkunde in einem Behälter versenkt. Auch die Ehemaligen-Treffen werden für die Buben fröhliche Tage gewesen sein; auch die Silvesterfeier, wo sich alle um einen Lichterbaum versammelten. In den 1950-er Jahren kamen Skilager hinzu im Engadin oder den Flumserbergen.

 

Die Verbindung mit Schlieren war eng: Der Landwirtschaftsbetrieb stand in engem Kontakt mit den Schlieremer Bauern, die Heimschule unterstand der Schliermer Schulpflege, zum Arzt (u.a. war Dr. Eglis Fürsorge weitherum bekannt) ging man «ins Dorf», Lieferanten und Spenden sorgten für Kontakte. Heimleiter Fausch (von ihm wird später noch die Rede sein) war auch ausgewiesener Heimatkundler und schrieb 1954 das erste Jahrheft Schlierens. Auch die Drohung an Kinder («Wenn du nöd rächt tuesch, chunsch i d’Siedlig!») wurde da und dort als Erziehungsmassnahme eingesetzt.

 

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Die Erziehung war streng und mit heutigen Augen betrachtet sehr auf «Gehorchen» und «Nützlich Werden» ausgerichtet; es ging um die «Versorgung verwahrloster Kinder». Aber: Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch gut gemacht. In den Jahresberichten wird viel von christlicher Bildung und dem Wecken der guten Seiten in den Seelen der Kinder gesprochen. Auch wenn wir nicht mit heutigen Massstäben frühere Zustände bewerten dürfen, so muss doch klar gesagt werden, dass «die guten alten Zeiten» für viele nicht so gut waren, im Gegenteil.

 

In den Akten erscheinen auch immer wieder Klagen und Rapporte auf rauen Umgang und zu starke körperliche Züchtigung. Die Heimleiter werden sehr ver-schieden beurteilt – G. Fausch zum Beispiel als «gottesfürchtiger Herrscher und Machtmensch». Die Erzieher standen in einem Spannungsfeld: Zum einen waren sie verantwortlich für das wirtschaftliche Gedeihen des Betriebes; zum andern müssen sie starke Persönlichkeiten gewesen sein, um sich bei ihren Buben durchzusetzen. Sie hatten eine Mission: Ein christliches Sendungsbewusstsein schimmert durch. Viele verfolgten hohe Ziele – andere missbrauchten ihre Macht auf üble Weise. Kindern in der Schlieremer Pestalozzi-Siedlung mag es dennoch besser gegangen sein als denen, die zu einem Bauern verdingt wurden. Schon Jeremias Gotthelf in seinem «Bauernspiegel» hatte auf die Missstände hingewiesen:

«… Du bisch nume de Bueb! Du hesch kei Ätti, du bisch nume de Bueb! Diese Worte tönten in meinem Herzen fort und fort, zerrissen es, rissen den Vorhang vor meinen Augen weg. Ich hatte ein Herz voller Liebe, hätte so gerne alle geliebt; aber meine Liebe wollte man  nicht, Liebe gab man mir nicht.»

 

Erst ab Mitte des letzten Jahrhunderts begann die öffentliche Diskussion darüber, wie mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen umzugehen sei – bis dahin wurden Familien auseinander gerissen, Kinder in Heime «versorgt» oder eben zu Bauern verdingt. Natürlich waren sie meist keine braven Sonntagsschüler, woher auch. Ausreissen, Schwänzen, Diebstähle, unstetes und freches Verhalten waren an der Tagesordnung. Doch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit wandelte sich – das Anstaltsleben wurde immer mehr als Zwang, Schikane und Missbrauch erlebt. (Die Schlieremer Schriftstellerin Erica Bühlmann-Jecklin hat  mit ihrem Büchern «Rosenkind» und «Weite Wege nach Daheim» darüber berichtet.)

 

Auch ehemalige Zöglinge der Pestalozzi-Siedlung schrieben ihre Geschichte auf und befeuerten so unsere Auseinandersetzung mit diesem Thema. Zu ihnen gehören vor allem zwei Schriftsteller: Turi Honegger und Franz Rueb. Von ihnen, vom Umbruch, der die Pestalozzi-Stiftung 1968 zum Umzug nach Knonau führte und von (glücklicherweise) nie verwirklichten Plänen mit dem Areal mehr im nächsten Schlieremer.

 

Lehrer und Zöglinge. Rechts Peter Tschudi, erster Heimleiter.

 

 

Arbeiten auf der Pestalozzi-Siedlung (Fuchsackergebiet) um 1896.

 

Text: Philipp Meier, Fotos: ZVG

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