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«Die Schule Schlieren ist gut unterwegs»

Die Schule Schlieren steht vor vielen Herausforderungen. Bea Krebs (FDP), Vorsteherin des Schulressorts im Stadtrat, sagt im Interview mit dem «Schlieremer», wie diese gemeistert werden sollen. Zudem möchte sie den Schulen in der Stadt eine gemeinsame Identität geben. Sie sollen keine Einzelkämpfer sein.

 

Zur Person
Die 53-jährige Bea Krebs ist seit 2002 als Vertreterin der FDP Stadträtin in Schlieren. Bis 2007 stand sie dem Ressort Sicherheit und Gesundheit vor, seither leitet sie das Ressort Bildung und Jugend. 1990 bis 2002 war Krebs Mitglied des Gemeindeparlaments. 1997 bis 2002 präsidierte sie die FDP Schlieren im Co-Präsidium.

Krebs ist in Schlieren aufgewachsen und besuchte hier die Primar- und Sekundarschule. Danach absolvierte sie das kantonale Unterseminar in Küsnacht. In der Folge studierte sie an der Universität Zürich, wo sie 1992 das Diplom in physikalischer Chemie und 1999 den Doktortitel in anorganischer Chemie erhielt. Später absolvierte Krebs eine Weiterbildung in Public Management am Institut für Verwaltungsmanagement der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, das sie 2009 mit dem Master of Advanced Studies abschloss. 2017 machte sie auch noch einen Abschluss als Sekundarlehrerin an der Pädagogischen Hochschule Zürich.

Krebs ist unverheiratet. In ihrer Freizeit ist sie oft mit dem Motorrad unterwegs und verbringt gerne Zeit mit Freunden, mit denen sie jasst und diskutiert.

 

Schlieremer: Frau Krebs, bitte schildern Sie uns die Grösse der Schule Schlieren mit ein paar Zahlen.
Bea Krebs: Die Schule Schlieren unterrichtet rund 1800 Kindergärtler, Schülerinnen und Schüler. Das sind rund zehn Prozent der Einwohnenden der Stadt. Unterrichtet werden sie in 22 Kindergarten- und 77 Primar- und Sekundarklassen in sechs Schulhäusern. Die Schule zählt gut 300 Lehrpersonen und weitere Mitarbeitende. Das Budget 2019 der Abteilung Bildung und Jugend beträgt rund 33 Millionen Franken. Es ist zusammen mit jenem der Sozialabteilung das grösste der Stadt.

 

Schlieremer: Wie ist der Zustand der Schule Schlieren?
Bea Krebs: Ich erachte den Zustand der Schule Schlieren als gut. Wir verfügen über ausgezeichnetes Lehrpersonal und qualifizierte Schulleitungen. Wir haben aber auch Probleme, die ähnlich sind wie an Schulen in anderen Gemeinden. Wir haben etwa Schwierigkeiten, Kindergärtner/-innen, Heil­pädagog/-innen und Logopäd/-innen zu finden.

 

Schlieremer: Was machen Sie dagegen?
Bea Krebs: Wir versuchen über Beziehungsnetze an solche Lehrkräfte heranzukommen. Bei den Logopäd/-innen schauen wir uns zudem im benachbarten Ausland um.

Schlieremer: Eine andere Herausforderung, vor der die Schule Schlieren steht, dürfte die stetig wachsende Einwohnerzahl der Stadt sein. Haben Sie jetzt und in Zukunft genügend Schulraum?
Bea Krebs: Das ist ein Thema, bei dem ich gerne einmal eine Stabilisierung sehen würde. Im Moment haben wir noch genügend Schulraum. Wir müssen aber schauen, wie sich die neuen Quartiere entwickeln. Wenn die Schule zukünftig nochmals eine grosse Anzahl Kinder aufnehmen muss, dann brauchen wir möglicherweise weiteren Schulraum. Auch müssten zusätzliche Betreuungskapazitäten geschaffen werden.

Schlieremer: Stichwort Betreuung: Die Familie hat sich gewandelt. In immer mehr Familien arbeiten heute beide Elternteile. Das ruft nach Tagestrukturen für die Kinder. Sie planen deshalb, zusätzliche Hort- und Mittagstischplätze zu schaffen.
Bea Krebs: Genau. Wir sind daran, das Angebot auszubauen. Wir wollen in sämtlichen Kindergärten und Schulhäusern – oder nahe bei ihnen – genügend Betreuungsplätze anbieten können. Im Zelgli haben wir heute mit dem Giardino die notwendigen Räume, an der Schulstrasse/Grabenstrasse verfügen wir über ein Hortgebäude, einen Pavillon gibt es beim Kalktarren, und das Reitmen hat die Betreuungsräume intern. Beim Hofacker befinden sich die Betreuungsräumlichkeiten momentan noch an der Freiestrasse. Hier besteht aber jetzt ein Projekt für einen Doppelhort auf dem Schulhausgelände.

Schlieremer: Ist der hohe Ausländeranteil ein Problem für die Schule Schlieren?
Bea Krebs: Wir haben einen grossen Anteil Schülerinnen und Schüler mit einem fremden Pass oder einer fremden Muttersprache. Für diese gibt es das Angebot «Deutsch als Zweitsprache», das in Schlieren von vielen Schüler/-innen besucht wird. Daneben haben wir zum Beispiel an der Schulstrasse ein Elternkaffee sowie Deutsch als Zweitsprache für Eltern und Familien, um den Kontakt mit den Eltern ausländischer Kinder zu pflegen, oder im Kalktarren das Projekt Eltern lernen Deutsch in der Schule. In allen Schulen gibt es zudem ein Elternforum. Es ist aber nicht so, dass Ausländer/-innen ein grosses Problem für die Schule wären. Gibt es jedoch einmal Schwierigkeiten, ziehen wir unter Umständen auch Kulturvermittler und Übersetzer bei.

Schlieremer: Eine weitere Herausforderung für die Schule Schlieren dürfte die Digitalisierung des Lebens sein. Was machen Sie da?
Bea Krebs: Wir haben ein Informatikkonzept erstellt, mit dem wir die Schule Schlieren jetzt schrittweise digital aufrüsten. Das Gemeindeparlament hat für die Hardware 2,5 Millionen Franken bewilligt. Das Reitmen ist bereits auf dem neusten Stand, das Hofacker wurde im Sommer umgerüstet, das Kalktarren folgte diesen Herbst, Schulstrasse/Grabenstrasse und das Zelgli sind im nächsten Jahr dran. Dann sollten alle Schulhäuser über die gleiche Infrastruktur verfügen mit einer bestimmten Anzahl von Computern in den Schulzimmern, mit Klassensätzen von Laptops, die den Lehrpersonen und Schüler/-innen zur Verfügung stehen, sowie – in der Oberstufe – mit Informatikzimmern.

Schlieremer: Bei der Umsetzung des Informatikkonzepts kam es auch zur Schlagzeilen machenden Kündigung eines Sekundarlehrers, der in seinem Schulzimmer eine eigene IT-Infrastruktur aufgebaut hatte. Hätte sich dieser proaktiv handelnde, fortschrittliche Lehrer nicht in das Informatikkonzept integrieren lassen?
Bea Krebs: Dieser Lehrer war bei der Erstellung des Informatikkonzepts Vertreter der Oberstufe. Seinen Empfehlungen folgte die Schule bei der Ausrüstung der Klassenzimmer. Wir wollten aber nicht zwei Systeme haben – ein allgemeines für die Schule und ein privates für einen einzelnen Lehrer; das geht nicht. Aber Sie haben Recht: Dieser Lehrer ging mit der Zeit.

Schlieremer: Ein Problem, das nicht nur an der Schule Schlieren besteht, sondern anderswo im Limmattal auch, ist die niedrige Übertrittsquote in die Mittelschule. ­
Wie reagieren Sie darauf?
Bea Krebs: Die Schule Schlieren hätte gerne eine etwas höhere Quote. Wir bieten deshalb schulintern eine Gymi-Vorbereitung an – eine für die Primarstufe und eine für die Oberstufe. Aber wir können uns bezüglich Schülerstrukturen nicht vergleichen, etwa mit einer Zürichseegemeinde.

Schlieremer: Zu reden in der Öffentlichkeit gab auch die Sicherheit der Schulwege, insbesondere an der Kreuzung Engstringerstrasse/Bernstrasse. Was haben Sie unternommen, um die Sicherheit der Kinder an diesem Ort zu verbessern?
Bea Krebs: Wir haben den sogenannten Pedibus eingeführt – Kinder werden von Erwachsenen an einem Seil über die Strasse geführt. Wir konnten im Quartier Eltern finden, die bereit waren, sich zu engagieren und die zu den Schulbeginn- und -schlusszeiten an den Pedibus-Treffpunkten die Kinder in Empfang nehmen und über die Strasse führen.

Schlieremer: Weil sie um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Schulweg fürchten, bringen nicht wenige Eltern ihre Sprösslinge mit dem Auto zum Kindergarten oder zur Schule. Unternehmen Sie etwas gegen diese sogenannten Schüler-Taxis?
Bea Krebs: Das ist ein echtes Problem. Jedes Jahr informieren wir deshalb die Eltern zusammen mit den Schulleitungen und der Polizei. Unsere Botschaft ist dabei: Lassen Sie Ihre Kinder den Schulweg alleine machen, das ist eine wichtige Erfahrung für sie.

Schlieremer: Unmut unter den Eltern ist entstanden, weil Sie die Horttarife stark erhöhen wollten – bis zu 123 Prozent. Wie ist da der Stand der Dinge?
Bea Krebs: Es ist ein Rekurs der Eltern beim Bezirksrat hängig. Deshalb kann ich im Moment gar nicht viel dazu sagen; wir müssen den Entscheid abwarten. Der Bezirksrat muss prüfen, ob unser Vorgehen gesetzeskonform ist. Die Hort-
tarife dürfen nicht mehr als kostendeckend sein. Die Erhöhung geht auch auf Äusserungen aus dem Kreise des Gemeindeparlaments zurück, in welchem rund zehn Jahre nach der letzten Veränderung eine Anpassung der Horttarife immer wieder ein Thema war.

Schlieremer: Vor kurzem wurde im Gemeindeparlament bekannt, dass nicht weniger als elf Lehrer vom Reitmen weggegangen sind. Bei insgesamt 45 Lehrpersonen in diesem Schulhaus ist das eine hohe Zahl. Was steckt hinter diesen Kündigungen?
Bea Krebs: Eine Neuorganisation eines Schulhauses braucht eine gewisse Zeit, bis Stabilität eintritt. Im Reitmen ist ein Mix aus Lehrpersonen aus dem Zelgli, dem Kalktarren, der Schulstrasse und dem Hofacker sowie neuen Lehrkräften tätig. Dazu kommen zwei neue Schulleitungen. Es ist unter diesen Umständen verständlich, dass gewisse Lehrpersonen nach einem oder zwei Jahren sagen, hier passt es mir nicht. Ich bin guter Dinge, dass dies nicht so weitergeht.

Schlieremer: Die Schule ist auch ein Thema in den Regierungsschwerpunkten 2018 bis 2022 des Stadtrates. Aber es sind nur zwei Sätze auf insgesamt vier Seiten. Ist das nicht ein bisschen wenig für ein so wichtiges Gut wie die Bildung?
Bea Krebs: Die Schwerpunkte sind neu ressortübergreifend formuliert. Der Stadtrat hat vor allem zusätzliche Schwerpunkte hervorgehoben, in welchen die Schule gut aktiv werden kann.

Schlieremer: Der erste Satz lautet: «Die Schulen entwickeln eine gemeinsame Identität.» Wie wollen Sie das bewerkstelligen?
Bea Krebs: Ich möchte, dass gewisse Themen an den verschiedenen Schulen in Schlieren gleich gehandhabt werden. Wir wollen keine Einzelkämpfer sein, sondern z.B. gleiche pädagogische Standards für alle haben. Die Schulen sollen aber nach wie vor Schwerpunkte selber setzen können. So ist etwa das Hofacker seit Jahren als musisches Schulhaus bekannt. Das soll so bleiben dürfen.

Schlieremer: Der zweite Satz heisst: «Mit Früherziehung wird die Chancengleichheit gestärkt.». Was haben Sie hier vor?
Bea Krebs: Wir haben beispielsweise vor dem Kindergarten sogenannte Spielgruppen plus eingerichtet, in denen die Kinder nicht nur soziale Kontakte einüben können, sondern auch Deutsch lernen. Das erhöht die Chancengleichheit auf den nachfolgenden Stufen. Wir denken aber auch über Elternkurse zu Erziehungs- und Förderungsfragen nach.

 

Text und Foto: Martin Gollmer