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«Die Stadt hat jetzt ihre Mitte»

Schlieren hat mit dem Stadtplatz und dem Geissweidplatz zwei neue Wahrzeichen – ein urbanes und ein grünes. Doch es gibt nicht nur Lob für die beiden Plätze, manche äussern auch Kritik. Der «Schlieremer» hat deshalb einen Spezialisten für Landschafts­architektur und Siedlungsbau zu einer Begehung eingeladen.

Seit Herbst 2018 besitzt Schlieren zwei neue Plätze: den Stadtplatz und den Geissweidplatz. Beide rufen in der Bevölkerung unterschiedliche Reaktionen hervor. Die einen finden sie schön, den anderen gefallen sie nicht. Der Stadtplatz gab bereits zu einem parlamentarischen Vorstoss Anlass. Im Winter war er manchmal vereist, was dazu führte, dass Passanten stürzten. Jetzt soll er in der kalten Jahreszeit besser gesalzen werden, wie einer kürzlich publizierten Antwort des Stadtrates auf den Vorstoss zu entnehmen ist.

Der «Schlieremer» wollte von einem Experten wissen, was er vom Stadtplatz und vom Geissweidplatz hält. Wir treffen deshalb Manuel Peer an einem kalten, regnerischen Sonntagnachmittag im April zu einer Begehung. Peer ist Landschaftsarchitekt und wohnt in Dietikon. Von 2005 bis 2013 war er Stadtingenieur in Schlieren. Heute arbeitet er als Raumplaner sowie als Stadt- und Siedlungsentwickler in einem spezialisierten Büro in Zürich.

Peer kennt also die Verhältnisse in Schlieren. In den Anfängen der Planung des Stadtplatzes war er noch dabei. An deren Umsetzung war er dagegen nicht mehr beteiligt. Der Geissweidplatz ist ganz ohne sein Zutun entstanden.

Ein Tor, das den Stolz der Stadt zeigt
Wir treffen Peer unter dem Flügel auf dem Stadtplatz. Dieser erfülle seinen Zweck, sagt Peer. «Er markiert die Mitte von Schlieren.» Er stehe für «das Selbstbewusstsein und den Stolz der Stadt». Der Passant, ob zu Fuss oder im Auto, wisse jetzt, das sei das Zentrum von Schlieren.
Der Flügel wirke dabei wie ein Tor, das quer zum Tal stehe. Über seine Farbe könne man sich streiten, meint Peer. Das Orange mache ihn aber gut sichtbar. Als Schutzdach vor Regen für die Leute, die auf den Bus warteten, sei der Flügel aber nicht gedacht. Dazu gebe es die Wartehäuschen.

Der Stadtplatz dürfe jedoch nicht auf den Flügel reduziert werden, sagt Peer. Der Platz schaffe eine gestaltete oberirdische Verbindung zwischen dem Gebiet Salmen/Liliezentrum und dem Bahnhof. Jetzt müsse man nicht mehr wie früher unten durch und nachher eine ungepflegte Brache durchqueren. Der Platz sei zudem ein Umsteigeort auf den öffentlichen Verkehr. Hier halten die Busse und ab Herbst auch die Limmattalbahn.

Der Sprühnebel – mehr als eine teure Zierde
In der Mitte des Stadtplatzes wird in der warmen Jahreszeit ein Sprühnebel aktiviert. Dieser sei nicht einfach eine unnütze, teure Zierde, weiss Peer. «Er kühlt den Platz, der im Sommer sehr heiss werden kann, etwas ab.»

Auf das Verhältnis von Asphalt und Bepflanzung angesprochen, meint Peer, der Stadtplatz hätte eventuell noch ein paar Bäume mehr vertragen. «Aber sobald sie Blätter bilden und grün sowie grösser werden, wirken sie automatisch präsenter.»

«Der Stadtplatz lässt noch mehr Nutzung zu», urteilt Peer. Das Leben spiele sich jetzt vor allem an seinen Rändern ab, wo sich die Umsteigepunkte auf den öffentlichen Verkehr befänden. In der Mitte des Platzes unter dem Flügel könnte er sich etwa auch einen fahrenden Händler vorstellen, der am Morgen Kaffee und Gipfeli anbiete, oder einen Frischmarkt mit mehreren Ständen.

Der Stadtplatz bildet zudem einen grossen, einspurigen Kreisel. Früher brausten hier auf vier Spuren die Autos vorbei. Jetzt haben sie weniger Platz und müssen langsamer fahren. Das führt in den Stosszeiten oft zu Staus, was viele kritisieren. Peer, der manchmal selber hier durchfährt, findet aber der Kreisel funktioniere viel besser als das die Verkehrsplaner vorausgesehen hätten.

Das Pärkli mit dem Plätzli lädt zum Verweilen
Jetzt nehmen wir die kurze Strecke dem Parkside entlang zum Geissweidplatz unter die Füsse. «Die Menge Asphalt, die hier verbaut wurde, tut mir weh», sagt Peer. Hier hätte die Stadt beim Kanton auf grüne Elemente pochen müssen. Jetzt sei das Ganze nur «Tristesse».

Dass danach der mit vielen Bäumen bepflanzte Geissweidplatz komme, sei gut. Gelungen findet Peer auch den Gegensatz zwischen Stadtplatz und Geissweidplatz. Ersterer sei ein Ort zum Queren und Umsteigen, letzterer ein Ort zum Verweilen. Der Geissweidplatz bilde zudem einen Übergang von der urbanen Innenstadt in die Wohnquartiere Schlierens. Es passe bestens, dass danach die Siedlung Gartenstadt folge.

Zum Verweilen auf dem Geissweidplatz laden die Bänke und der Brunnen ein, die sich in seinem von Bäumen freigehaltenen Inneren befinden. «Das ist ein Plätzli im Pärkli», sagt Peer.
Gewünscht hätte er sich einzig noch ein gartenähnliches Element mit etwas Blumenschmuck. Aber das sei Kritik auf hohem Niveau, meint er. Die Anzahl Bäume rund um das Plätzli findet er gut. In ein paar Jahren gäben die Bäume ein schönes, grünes, schattenspendendes Blätterdach ab. Mit diesem positiven Ausblick verabschieden wir uns hier von Peer.

 

Text: Martin Gollmer, Foto: Marina Lukac