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Lokal einkaufen und konsumieren

Während der Coronavirus-Krise mussten sie grösstenteils schliessen. Jetzt kehrt langsam wieder Leben in die Schlieremer Geschäfte, Läden und Restaurants zurück. Lokale Detailhandels- und Gewerbevereinigungen sowie weitere örtliche Akteure unterstützen diesen Normalisierungsprozess mit Aktionen wie «Für dis Schliere» oder Einkaufsdiensten für Personen, die Risikogruppen angehören.

Die strengen Anti-Coronavirus-Massnahmen, die der Bundesrat Mitte März verhängt hatte, werden seit Ende April schrittweise gelockert. Zuerst durften Coiffeurlokale, Kosmetiksalons, Physiotherapiestudios und ähnliche Betriebe wieder öffnen – wenn sie Abstands- und Hygienemassnahmen einhalten. Seit dem 11. Mai dürfen auch Detailhandelsgeschäfte, die Produkte des nicht täglichen Bedarfs anbieten, sowie Restaurants und Bars wieder offen haben – sofern auch sie Massnahmen zum Schutz der Kunden und des Personals vor einer Ansteckung durch das Virus getroffen haben.

Damit die Schlieremerinnen und Schlieremer wieder zu diesen Geschäften zurückkommen und lokal einkaufen und konsumieren, haben die Detailhandels- und Gewerbevereinigungen Shopping Schlieren und Pro Schlieren sowie die Standortförderung der Stadt mit Unterstützung des Gewerbevereins Schlieren die Aktion «Für dis Schliere» lanciert. Kernstück der Aktion ist ein Rabattgutscheinflyer. Er liegt dieser Ausgabe des Stadtmagazins «Schlieremer» bei. Zudem kann er auf der Website www.shoppingschlieren.ch heruntergeladen werden.

Kommt jetzt die gute alte Rabattmarke wieder zurück? «Ja, aber in einer anderen Form», sagt Ivana Costa vom Kommunikations- und Werbeunternehmen Banovi, das die Geschäftsführung von Shopping Schlieren innehat. Auf dem Flyer sind Rabattgutscheine aufgedruckt, die ausgeschnitten und beim nächsten Einkauf im betreffenden Laden oder bei der nächsten Konsumation im betreffenden Restaurant vorgewiesen werden können. Dann gibt es eine Vergünstigung. Pro Einkauf oder Konsumation ist jeweils nur ein Rabattgutschein einlösbar. Die Aktion läuft bis 31. August. Wie viele Schlieremer Geschäfte, Läden und Restaurants bei der Aktion mitmachen, war bei Redaktionsschluss noch unklar.

Weitere Aktionen sollen kommen
«Der Rabattgutscheinflyer ist der Auftakt zu weiteren Aktionen der beteiligten Organisationen zugunsten von Detailhandel und Gastronomie in Schlieren», erklärt Costa. «Sie dürfen gespannt sein.» Wer über die Aktionen auf dem Laufenden bleiben will, bis der nächste «Schlieremer» erscheint, kann regelmässig die Website von Shopping Schlieren konsultieren oder den Newsletter der Organisation abonnieren.

Ebenfalls eine Möglichkeit, um auf sich aufmerksam zu machen, hat das Restaurant Corona – es war schon da, bevor es das gleichnamige Virus gab – beim Bahnhof Schlieren entdeckt. Wirt Marco Lazri hat auf der Homepage www.hamsterli.ch Gutscheine mit einem fixen Betrag eingerichtet, die im Restaurant eingelöst werden können. Diese Gutscheine kann man dort kaufen und sich selbst oder Freunden und Verwandten etwas gönnen. Auch damit kann man lokale Geschäfte unterstützen. Die Gutscheine können nicht nur Restaurants – kostenlos – einrichten, sondern auch Dienstleistungs- und Detailhandelsbetriebe wie chemische Reinigungen oder Kleider- und Schuhläden.

Geschäft unterschiedlich gut angelaufen
Die Pizzeria Corona ist seit dem 11. Mai wieder offen. Wirt Lazri berichtet von «gottseidank steigenden» Gästezahlen. Ganz zufrieden ist er aber noch nicht. Über Mittag seien – wegen des immer noch weit verbreiteten Home Office – nur 30 Prozent der Plätze belegt, die er zurzeit anbieten dürfe, am Abend erst 50 Prozent. Wegen der nach wie vor geltenden Abstandregeln kann er gegenwärtig das Lokal nur zu knapp zwei Drittel auslasten. Er ist aber «froh, dass sich wenigstens einige Leute wieder trauen zu kommen», und «dankbar, dass die Stammgäste treu geblieben sind».

«Wir sind glücklich, dass wir wieder öffnen durften», sagt Katia Maric vom Quartierrestaurant Nassacker. Die Coronavirus-bedingte Pause sei schwierig gewesen, finanziell und vor allem auch psychisch. «Wir konnten unser 15-Jahr-Jubiläum nicht feiern, das am 19. April gewesen wäre.» Sie hätten aber während der Pause viele aufmunternde Worte erhalten. «Das hat gut getan», erklärt Maric. Sie berichtet nach den ersten Tagen von einer stark schwankenden Gästezahl. Mal kämen viele Leute, mal nur wenige. Sie vermutet, dass viele Gäste noch Angst hätten. Auffallend sei auch, dass die Stammtischgäste noch nicht wieder aufgetaucht seien. Das könne sein, weil sich darunter viele ältere Personen befänden oder solche, die sonst einer Risikogruppe angehörten, meint Maric.

«Sehr zufrieden» mit dem Geschäft seit der Wiedereröffnung am 11. Mai sind dagegen Chicorée und Ladystore, zwei Läden, die Mode für Frauen anbieten. Die Umsätze in den ersten Tagen seien «gut» bis «sehr gut» gewesen, berichten die beiden Geschäftsführerinnen übereinstimmend. Und das, obwohl sie Schutzkonzepte umsetzen würden, so dass etwa nur eine bestimmte Anzahl Kundinnen gleichzeitig im Laden sein darf. Ladystore hat deshalb vor dem Laden extra ein Tischchen mit Stühlen aufgestellt, damit Kundinnen, die draussen warten müssen, sitzen können.

Schon früher, am 27. April, konnte das Handwerks- und Gartencenter Bauhaus wieder öffnen. Ein Sprecher will zwar auf Anfrage des Schlieremer keine Auskunft geben, wie das Geschäft seither gelaufen ist. Medienbilder vom Wiedereröffnungstag, die eine lange Schlange mit wartenden Kunden vor dem Eingang zeigen, machen aber klar, dass beim Bauhaus Schlieren wahrscheinlich kein Grund zum Klagen besteht.

Wer nicht kann oder will, dem wird geholfen
Wer wegen der Coronavirus-Pandemie nicht selbst in Schlieren einkaufen gehen will, etwa, weil er oder sie über 65 Jahre alt ist und/oder aufgrund von Vorerkrankungen sonst einer
Risikogruppe angehört, kann Einkaufsdienste in Anspruch nehmen. Solche bieten etwa der Fussballclub Schlieren an (www.fcschlieren.ch oder 079 666 22 88), die Corona-Hilfe Schlieren (Lorenza: 078 312 19 57) oder Stadt Schlieren – Jugend hilft! (Michael Koger: 079 686 88 22; siehe auch Artikel vorne auf Seite 4). Die Dienstleistungen dieser Akteure umfassen etwa das Einkaufen von Lebensmitteln, das Besorgen von Medikamenten oder andere Tätigkeiten im öffentlichen Raum.

Der Posti-Dienst des FC Schlieren war eine Idee des Trainers der 1. Mannschaft Herren, Besnik Ramadani, und seiner Frau, die in Schlieren in der Kinderbetreuung arbeitet, weiss Marco Seifriz, Co-Präsident des Vereins. «Die Spieler können jetzt nicht trainieren und spielen und sitzen viel zu Hause. Sie sind deshalb froh, wenn sie einmal raus und Einkäufe erledigen können», sagt Seifriz. Mitmachen tun bei der Aktion auch die Spielerinnen der 1. Mannschaft Frauen. Doch sie alle mussten noch nie ausrücken. «Seit dem Start der Aktion am 3. April hat sich noch niemand bei uns gemeldet», erklärt Seifriz. Trotzdem wird der Einkaufsdienst bis auf weiteres weitergeführt.

Die Corona-Hilfe Schlieren wurde von Lorenza ins Leben gerufen. Mit dem vollen Namen will sie nicht in der Zeitung stehen. Sie hat eine mittlerweile 48-köpfige Truppe von freiwilligen Helfern zusammengetrommelt, denen sie Anfragen für Einkaufsdienste weiterleitet. Miteinander verbunden sind die Helfer über eine Whatsapp-Gruppe. Der Helfer, der am nächsten beim Hilfsbedürftigen wohnt, erledigt dann die Einkäufe. Die Nachfrage nach Einkaufsdiensten ist gemäss Lorenza allerdings gering. Während des Höhepunkts der Coronavirus-Pandemie erhielt sie nur 1 bis 2 Anrufe pro Tag – wenn nicht von den Hilfesuchenden selbst, dann von Verwandten oder Freunden von ihnen. Trotzdem will Lorenza den Einkaufsdienst bis auf weiteres aufrechterhalten.

Text: Martin Gollmer, Fotos: zVg