Freitag, Mai 24, 2024
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Menschen, die ein Denkmal verdienen

Die Jahrhefte 2020 und 2021 der Kommission Ortsgeschichte der Stadt sind «Schlieremer Zeitzeugen» gewidmet. Autor Philipp Meier beschreibt diese Persönlichkeiten aus dem früheren Dorf und der späteren Stadt in insgesamt 25 detailreichen und spannenden Porträts.

Sie waren Pfarrerin, Fotograf, Clown, Chronistin, Taubstummenlehrer, Scharfrichter, Revolutionär, Ländlerkönig, Verbrecher, Baumeister, Journalist und Schriftsteller, Stadtpräsident oder Kabarettist: Sie und noch einige Persönlichkeiten mehr beschreibt Philipp Meier in den Jahrheften 2020 und 2021 mit dem Titel «Schlieremer Zeitzeugen». Insgesamt 25 sorgfältig recherchierte, einfühlsam geschriebene und sehr informative Porträts finden sich in den zwei Jahrheften. Es hätten noch mehr Porträts werden können, meint Meier gegenüber dem «Schlieremer» und hofft deshalb, dass andere Schreiber den Faden aufnehmen und in späteren Jahrheften weiterspinnen.

«Ich finde, unsere Zeit ist sehr schnelllebig und geht sehr oberflächlich mit Vergangenem um. Wir vergessen alle schnell», sagt Meier. Sein Ziel sei es deshalb gewesen, Schlieremer Persönlichkeiten «ein kleines Denkmal zu setzen, ihnen den verdienten Respekt und Wertschätzung zu erweisen». Bei der Auswahl der Porträtierten sei es ihm darum gegangen, Menschen zu beschreiben, «die über ihr Amt und ihre Funktion hinaus Persönlichkeiten waren». Sie seien alle «Zeitzeugen» gewesen: «Man kann an ihnen zeigen, wie die Entwicklungen in der grossen Welt Einfluss hatten auf das Geschehen im kleinen Schlieren.»

Was Meier bei der Arbeit an den Schlieremer Zeitzeugen bedrückt hat, ist, dass er « beim besten Willen fast keine weiblichen Porträts habe schreiben können». Es habe sich gezeigt, dass die Frauen ihre Rolle in früheren Zeiten halt wirklich am heimischen Herd gesehen hätten. «Und ganz gewiss haben die allermeisten der porträtierten Männer nur in der Öffentlichkeit wirken können, weil ihnen eine Frau den Rücken freihielt», meint Meier. Oft habe er von den Frauen gehört: «Es isch halt eifach so gsi, d’Mueter isch diheime blibe und de Vater isch am Abig furt.» Meier sagt, er habe immerhin versucht, diese Rolle zu thematisieren.

Meier hat für die Porträts viel recherchiert, traf dabei aber oft auf eine schwierige Quellenlage. Wo noch Familienmitglieder vorhanden gewesen seien, seien die Türen meist offen gestanden, und er sei sehr herzlich empfangen worden. Meier: «Die Leute schätzen, dass man ihre Vorfahren ehrt.» Sonst sei die Arbeit nicht einfach gewesen – Stichwort: Datenschutz –, obwohl sich die Archive (Staatsarchiv, Zentralbibliothek und andere) hilfsbereit gezeigt hätten. 

Text und Foto: Martin Gollmer

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