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Mit Abstand betrachtet

Standpunkt
Dezember 2015

Wir haben eine spannende Abstimmung über die Limmattalbahn hinter uns – niemand mag sich an so einen Kampf erinnern.

Wir müssen weit zurückblättern, um ein ähnlich «geladenes» Thema zu finden: Fast 100 Jahre, genau genommen ins Jahr 1929. Es ging um die zweite Eingemeindung in Zürich; unter anderen (Albisrieden, Altstetten...) hätte auch Schlieren zur Stadt Zürich geschlagen werden sollen. Kampf – mit harten Bandagen in einer Zeit sozialer Unruhe. Ja – und das Verdikt der Vox Populi? Schlieren stimmte der Eingemeindung zu! Unsere Vorfahren (nur die Männer, wohlverstanden) hätten die Unabhängigkeit ihrer Gemeinde schnöde aufgegeben. Mit 641 zu 295 Stimmen! Nur – sie wurden «bevormundet»: Die Vorlage erlitt im Kanton deutlich Schiffbruch und dabei blieb es. Wir wurden zur Selbständigkeit verdonnert. Könnte es sein, dass Aussenstehende da und dort den besseren Blick haben als die, die nahe verwickelt sind?

Vielleicht müssig, sich das zu fragen. Zurück zur Gegenwart. Etwas Positives bleibt vom Kampf um das Limmattal-Tram ganz gewiss: Ich bin zu 100% überzeugt davon, dass alle mit der ehrlichen Überzeugung antraten, für ihre Stadt, ihr Gemeinwesen das Richtige zu vertreten. Unsere Politiker haben nun versprochen, auf die Gegner zuzugehen. Dem vertraue ich. Für die zweite Etappe der Limmattalbahn bleibt noch etwas Zeit; nutzen wir sie gemeinsam für Verbesserungen.

Unsere Stadt lebt – auch und grad dann, wenn sie streitet. Ich hatte das Glück, während meiner Arbeit als Schlieremer Schulmeister verschiedenen Persönlichkeiten zu begegnen – etwa Kurt Scheitlin, Heiri Meier, Ruedi Weidmann, Fritz Blocher, Heini Bloch, Kurt Frey. Sie haben nicht polarisiert, sondern verbunden. Genau das braucht es heute wieder. Wir können es uns hier nicht leisten, Grabenkämpfe auszutragen. Für Kleingeister mit Profilierungssucht hat es keinen Platz. Wir sind Menschen. Keine/r von uns ist im Besitz der Wahrheit. Wir können uns täuschen. Aber ehrliches Bestreben wollen wir einander unterstellen.

So möchte ich mich denn Heidi Berri anschliessen, welche im letzten «Schlieremer» diesen guten Willen, diesen Glauben an die Zukunft ausgedrückt hat. Wir haben die Chance, etwas für unsere Stadt zu tun – aber nur gemeinsam und nicht aus einer Wagenburg heraus. Bald werden wir wieder nach Lösungen suchen – an der Bahnhofstrasse, beim Stadtplatz. Reichen wir uns die Hand – lasst es uns anpacken. Wir können das.

 

 

 


Herzlich, Philipp Meier
(fast 40 Jahre Lehrer im Roten Schulhaus)

 

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