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«Nicht das Opfer einer unsinnigen Politik werden»

Politik
September 2018

Heidemarie Busch, die für die CVP im Schlieremer Gemeindeparlament sitzt, ist gegen den Bau der 2. Etappe der Limmattalbahn. Sie fühlt sich als Vertreterin der Mehrheit der Schlieremer, die die Bahn in der kantonalen Volksabstimmung vom November 2015 abgelehnt haben. Das Limmattal sei bereits bestens mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, sagt sie im Interview mit dem «Schlieremer».

 

Schlieremer: Frau Busch, sind Sie eine schlechte Verliererin? Die Stimmbürger des Kantons Zürich haben im November 2015 dem Bau der Limmattalbahn mit 64 % Ja-Stimmen deutlich zugestimmt. Sie waren damals schon eine erklärte Gegnerin der Bahn. Jetzt sind Sie Mitglied eines Komitees, das mit einer Volksinitiative, die am 23. September zur Abstimmung kommt, im Nachhinein wenigstens noch den Bau der 2. Etappe von Schlieren über Dietikon nach Killwangen-Spreitenbach verhindern will. Warum diese Zwängerei?

Frau Busch: Das ist keine Zwängerei. Und ich fühle mich auch nicht als Verliererin. Schlieren und fast alle Gemeinden des Limmattals haben die Bahn abgelehnt. Ich bin Gemeinderätin von und für Schlieren und stehe für das ein, was die Schlieremer wollen, und nicht, was kantonale Stimmbürger, die weit weg von Schlieren wohnen, bestimmt haben.

 

Schlieremer: Einmal abgesehen davon, dass die Stimmbürger des Limmattals und Schlierens zum Bau der Limmattalbahn Nein gesagt haben: Gibt es noch andere Gründe, die gegen die Verwirklichung der 2. Etappe sprechen?

Frau Busch: Entscheidend ist, warum die Limmattaler das nicht wollen. Wir wollen nicht das Opfer der unsinnigen Wachstumspolitik der Politiker werden. Wir sagen: Nein danke. Wir hatten schon in den letzten zehn Jahren mehr als genug davon. Wir sind vom öffentlichen Verkehr bestens erschlossen. Wir haben vier S-Bahnlinien von Westen nach Osten. Dann das Tram 2 von Westen nach Osten. Und wo fährt die Limmattalbahn? Von Westen nach Osten. Ist das nötig?

 

Schlieremer: Sie haben insbesondere Vorbehalte gegen die Linienführung im Spitalquartier. Was stört Sie besonders?

Frau Busch: Ich wohne im Spitalquartier, bin aber von der Bahn nicht extrem betroffen. Ich versuche, für die betroffenen Bürger zu sprechen. Ich möchte keine Haltestelle in meinem Vorgarten haben. So ist es aber geplant bei einem Wohnungsbesitzer. Es wird enteignet und die Haltestelle dort platziert. Können Sie sich vorstellen, wie es sein wird, wenn um Mitternacht einige Personen auf die Bahn warten und ihre Erlebnisse der vergangenen Stunden den Mitwartenden erzählen? Dazu kommt, dass die geplante Haltestelle «Spital» 270 Meter vom Eingang des Spitals entfernt sein wird. Wie kommen die Spitalbesucher ins Spital? Wohl wieder mit einer neuen Buslinie.

 

Schlieremer: Würde Ihre Initiative angenommen, würde der Westen Schlierens – die Hälfte der Stadt – nicht von der Limmattalbahn erschlossen. Ist Ihnen das egal?

Frau Busch: Der Norden, Westen, Osten und Süden von Engstringen oder Weiningen sind auch nicht von der Limmattalbahn erschlossen. Warum muss es der jetzt schon gut erschlossene Westen von Schlieren sein? Wenn unsere Initiative angenommen wird, wird auch der Osten Schlierens nicht von der Limmattalbahn erschlossen sein. Dort fährt dann die  jetzt im Bau befindliche Verlängerung der Tramlinie 2. Wenn weitere Gebiete erschlossen werden sollen, wären batteriebetriebene Busse sehr viel günstiger, flexibler und umweltfreundlicher. Wer heute in das stark überbaute Limmattal eine zusätzliche Schieneninfrastruktur legt, hat seine Ideale im 19. Jahrhundert bezogen.

 

Schlieremer: Die Limmattalbahn soll helfen, das Wachstum des Limmattals in geordnete Bahnen zu lenken und die Zentren von Dietikon und Schlieren vom motorisierten Individualverkehr zu entlasten. Warum wollen Sie das nicht?

Frau Busch: Wenn wir die Bahn nicht wollen, heisst es doch nicht, dass wir keine Entlastung der Zentren wollen. Wir bekämpfen die 2. Etappe der Limmattalbahn und nicht die flankierenden
Massnahmen zur Entlastung der Stadtzentren.

 

Schlieremer: Die Limmattalbahn würde die Städte und Orte, die die Bahn verbindet, als Wohn- und Arbeitsort aufwerten. Was spricht dagegen?

Frau Busch: Das ist Ihre Meinung. Das Bahntrassee teilt unsere Stadt, was ich nicht unbedingt als Aufwertung empfinde. Mehr und höhere Bauten, verdichtetes Wohnen tönt gut. Gut ist es vielleicht für das Baugewerbe. Aber so wohnen wollen die wenigsten.

 

Schlieremer: Die Limmattalbahn wäre umweltfreundlicher und pünktlicher als die Busse, die jetzt die Strecke Schlieren – Dietikon – Killwangen-Spreitenbach bedienen. Die Bahn könnte auch mehr Leute pro Fahrt transportieren als die Busse. Warum soll unter diesen Umständen das Bussystem beibehalten werden?

Frau Busch: Ganz einfach, weil es flexibler ist. Anstatt einer «starren, veralteten» Bahn können auch billigere Elektrobusse angeschafft werden. Zudem sind separate Busspuren viel günstiger als ein Schmalspurschienentrassee.

 

Schlieremer: Die Limmattalbahn ist ein Gesamtverkehrsprojekt. Es sieht neben dem Bau der Bahn auch Anpassungen und Ausbauten bei Strassen vor. Würde Ihre Initiative angenommen, wäre auch dieser Teil des Projekts gefährdet. Nehmen Sie das einfach so in Kauf?

Frau Busch: Wir bekämpfen, wie schon gesagt, die 2. Etappe der Limmattalbahn und nicht die flankierenden Massnahmen.

 

Schlieremer: Würde Ihre Initiative angenommen, wären Steuergelder in der Höhe zwischen 30 und 40 Millionen  Franken in den Sand gesetzt, die bis jetzt für Planung und Vorbereitungsarbeiten ausgegeben wurden. Wie erklären Sie das dem Stimmbürger?

Frau Busch: Würde die Initiative angenommen, würden 320 Millionen Franken nicht ausgegeben und könnten somit eingespart werden. Nicht mitgerechnet sind dabei die jährlichen Folgekosten, die auf die Gemeinden zukommen. Für Schlieren wären das zirka 800‘000 Franken jährlich, die zusätzlich zu den 1,5 Millionen Franken an die VBZ gezahlt werden müssen. Der Unterhalt der Haltestellen und der Veloständer ist auch Sache der Gemeinden. Das Argument, man müsse vielem schlechtem Geld auch noch mehr gutes Geld nachwerfen, um das schlecht investierte Geld zu retten, ist wirtschaftlicher Unsinn.

 

Text und Foto: Martin Gollmer

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