Schlieren
12°
Überwiegend bewölkt
humidity: 62%
wind: 2m/s SW
H 12 • L 11
12°
Tue
18°
Wed
18°
Thu

Schlieren ist auch eine Startup-City

In der Stadt ist seit dem Jahr 2000 ein eigentliches Startup-Ökosystem entstanden, zu dem rund 200 Jungunternehmen und mehrere Organisationen gehören, die neu
gegründete Firmen unterstützen und fördern. Der «Schlieremer» gibt Einsicht in damit verbundene Erfolgsgeschichten.

Anfang August waren in Schlieren über 1100 Unternehmen ansässig, darunter rund 200 Startups aus den Branchen Biotech, Medtech, IT, Robotik sowie generell Innovation und Technologie, weiss Albert Schweizer, Standortförderer der Stadt. «Das berechtigt sicher, uns auch ‹Startup-City› zu nennen.» Zu den aufstrebenden Unternehmen in Schlieren gehören ganz junge mit erst wenigen Angestellten wie etwa Fixposition oder Spectroplast und schon mehr oder weniger etablierte mit einer meist ansehnlichen Mitarbeiterzahl wie InSphero, Novamem oder VirtaMed (siehe Kurzporträts).

Die Ansiedlung von Startups, also von Jungunternehmen mit einem Alter von maximal fünf Jahren, begann in der Stadt ab der Jahrtausendwende mit der Gründung des Bio-Technoparks und verstärkt ab dem Jahr 2015 mit dem Umzug des Instituts für Jungunternehmen (IFJ) von Zürich nach Schlieren. Im Jahr 2013 wurde auf Initiative der Standortförderung der Verein Start Smart Schlieren gegründet. Er hat zum Ziel, smarte Technologie- und Jungunternehmen in Schlieren anzusiedeln und die Standortattraktivität der Stadt für Startups zu fördern. Dafür steht ein bescheidenes Budget von 45 000 Franken zur Verfügung, wovon 19 000 Franken von der Stadt stammen.

Die Gründung von Start Smart Schlieren war auch der Startschuss zur Etablierung eines Startup-Clusters (Schwerpunkts) in der Stadt. Heute wird der Cluster im Nebenamt von einem sogenannten Clustermanager betreut. Dieser heisst André Brühlmann und ist gleichzeitig Co-Geschäftsleiter des IFJ und operativer Chef von Start Smart Schlieren. Zu seinen Aufgaben gehören die Entwicklung einer Clusterstrategie für Startups in Schlieren, die nationale und internationale Positionierung des Startup-Clusters sowie die Koordination mit den anderen Clustern in der Stadt (Biotech, Shopping Schlieren).

Regierungsprogramm gibt den Weg vor
Zur Ansiedlung von Jungunternehmen in Schlieren trägt auch die Standortförderung der Stadt bei. Mit dem Regierungsprogramm 2018 – 2022 des Stadtrats erhielt Standortförderer Schweizer den Auftrag, innovative Firmen in der Stadt anzusiedeln und dafür günstige Rahmenbedingungen zu schaffen. Er macht dies auch dadurch, dass er für Jungunternehmen Geschäftsräume sucht und vermittelt. Das geht Hand in Hand mit Schweizers anderem Job bei der Stadt, nämlich der Leitung des Bereichs Liegenschaften. Zu diesen Liegenschaften gehört auch das Innovations- und Jungunternehmerzentrum an der Rütistrasse 12/14. Für die städtische Standortförderung stehen Schweizer ein Budget von gut 140’000 Franken und 30 Stellenprozente zur Verfügung.

Die grosse Zahl von Startups in Schlieren hat auch Organisationen angezogen, die Jungunternehmen unterstützen und fördern. Dazu gehört das bereits erwähnte IFJ. Dieses ist die führende Anlaufstelle für Jungunternehmen in der Schweiz und bietet die schweizweit meistgenutzten Onlineservices für Firmengründungen und Handelsregisteränderungen. Für Gründungsinteressierte, Startups und etablierte Unternehmen gibt es zudem Intensivkurse und Referat-Events mit aktivem Networking. Auch stehen Tools für Businesspläne, Buchhaltung und Smart Work bereit. Weiter offeriert das IFJ juristische Unterstützung für Schutz und Verträge. Das IFJ betreibt zudem den Startup Space im Sony-Gebäude beim Bahnhof, wo Arbeitsplätze, Sitzungszimmer sowie Seminar- und Eventräume zur Verfügung stehen. Neben Schlieren ist das IFJ noch an den Standorten St.Gallen und Lausanne vertreten. Dort arbeiten insgesamt 20 Angestellte. Seit 1989 hat das IFJ 150’000 Firmengründerinnen und -gründer auf dem Weg in die Selbständigkeit begleitet.

Zwei nationale Projekte aus Schlieren
Aus dem IFJ hervorgegangen sind die beiden nationalen Projekte Venturelab und VentureKick. 2018 wurde im Rahmen einer internen Nachfolge die Venturelab AG gegründet, die heute die beiden Projekte durchführt. Venturelab entwickelt und betreibt Programme, um die besten Startup-Talente auf die nächste Entwicklungsstufe zu bringen. 2019 führte Venturelab 390 Veranstaltungen mit mehr als 4500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durch, unterstützte über 1000 Schweizer Startups, die in diesen zwölf Monaten die rekordverdächtige Summe von 1,45 Milliarden Franken an Finanzmitteln einnahmen. Venturelab ist mit 15 Mitarbeitern in Schlieren, St.Gallen und Lausanne aktiv.

Venture Kick wiederum hilft hoch innovativen Unternehmerinnen und Unternehmern von Schweizer Universitäten und Hochschulen mit Startkapital. Seit 2007 haben 700 Schweizer Startup-Projekte von Venture Kick über 30 Millionen Franken Gründungshilfe erhalten. Dabei sind mehr als 7000 Arbeitsplätze entstanden. Von Venture Kick unterstützte Jungunternehmen haben bisher 3,5 Milliarden Franken an Investitionen angezogen.

So ist über die Jahre in Schlieren ein ganzes Startup-Ökosystem entstanden. Grundlegend dafür sei die gute Zusammenarbeit zwischen Standortförderung, Start Smart Schlieren, Gewerbeverein Schlieren, Wirtschaftskammer Schlieren und IFJ, wie Clustermanager André Brühlmann sagt. Diese Zusammenarbeit sei in der Schweiz «einzigartig» und erzeuge «erheblichen Mehrwert für alle Partner und die Region».

 

Name des Unternehmens: Fixposition AG
Adresse: Rütistrasse 14, 8952 Schlieren
Website: www.fixposition.com
Gegründet: 2017
Ausgründung von: ETH Zürich
In Schlieren seit: 2020
Anzahl Mitarbeiter: 16
Was macht Fixposition:
Fixposition entwickelt hochpräzise und zuverlässige Positionierungssensoren. Die Kombination aus modernster Computer-Vision-Technologie und Satelliten-Navigation ermöglicht eine Zentimeter-genaue Positionierung selbst in schwierigen Umgebungen, wie z.B. in Städten, Wäldern oder generell an Orten mit eingeschränktem Satellitensignalempfang. Dies ermöglicht eine Vielzahl von Anwendungen wie die von autonomen Drohnen oder selbstfahrenden Fahrzeugen.

 

Name des Unternehmens: VirtaMed AG
Adresse: Rütistrasse 12, 8952 Schlieren
Website: www.virtamed.com
Gegründet: 2007
Ausgründung von: ETH Zürich
In Schlieren seit ca.: 2012
Anzahl Mitarbeiter: 100
Was macht VirtaMed:
VirtaMed ist weltweit führend im Bereich hochwertiger virtueller Simulationen, die für die Schulung von minimalinvasiven diagnostischen und therapeutischen Eingriffen verwendet werden. Anwendungsgebiete sind Viszeralchirurgie, Orthopädie, Urologie und Gynäkologie. Mit ihrer Kombination aus virtueller Realität, taktilem Feedback, realistischen anatomischen Modellen und echten medizinischen Instrumenten bieten die Simulatoren von VirtaMed eine besonders wirklichkeitsnahe und kostengünstige Schulungsumgebung für Ärzte.

 

Name des Unternehmens: Spectroplast AG
Adresse: Rütistrasse 16, 8952 Schlieren
Website: www.spectroplast.com
Gegründet: 2018
In Schlieren ab: 1. Oktober 2020
Anzahl Mitarbeiter: 10
Was macht Spectroplast:
Silikon hat als weltweit erste Firma den 3D-Druck mit Silikon entwickelt. Wir produzieren mittels 3D-Druck Silikonteile für technische Anwendungen sowie Medizinalprodukte, die spezifisch auf den Patienten angepasst sind.

 

Name des Unternehmens: Novamem AG
Adresse: Rütistrasse 16, 8952 Schlieren
Website: www.drinkpure-waterfilter.com
Gegründet: 2013
Ausgründung von: ETH Zürich
In Schlieren seit: Ende 2016
Anzahl Mitarbeiter: 10
Was macht Novamem:
Novamem entwickelt und produziert Membranen und Filter. Bis vor der Coronavirus-Pandemie konnten Kunden diese in unseren Wasserfiltern DrinkPure Home vorfinden. Dieses einzigartige Filtrationssystem für den Wasserhahn im Haushalt filtert nämlich Rost, Keime, Pestizide und Mikroplastik heraus. Auch produzieren wir für die Firma Franke den Kapselfilter Vital. Dies ist eine direkt integrierte Armaturenlösung, die Filter und Armatur vereint. Franke Vital ist gleichfalls in Europa erhältlich. Seit der Coronavirus-Pandemie produzieren wir aber mit der gleichen Technologie auch Filtermembranen und -masken, welche wir zusammen mit unserem Partner Kraftwerktools in der Schweiz verkaufen. Mit unseren innovativen Swiss-made-Produkten tragen wir also ein wenig zum Schutz von unseren Kunden bei.

 

Name des Unternehmens: InSphero AG
Adresse: Wagistrasse 27a, 8952 Schlieren
Zweigniederlassung: InSphero Inc., Brunswick, USA
Website: www.insphero.com
Gegründet: 2009
Ausgründung von: ETH Zürich
In Schlieren seit: 2013
Anzahl Mitarbeiter: 63 (davon 5 in den USA)
Was macht InSphero:
Für die pharmazeutische und biotechnologische Industrie ist InSphero heute der Goldstandard für Labortests von neuen Medikamenten. Die robuste 3D InSight™ Technologie erlaubt die Produktion von Mikroorganen wie Leber, Herzmuskel oder Haut und wird von grossen Pharmaunternehmen weltweit genutzt, um die Effizienz bei der Arzneimittelforschung und Sicherheitsprüfung im Labor zu steigern. InSphero entwickelt diese Technologie mit seinem interdisziplinären Team kontinuierlich weiter, um den Effekt von neuartigen Substanzen auf den Patienten besser vorhersagen zu können und Tierversuche zu vermeiden. Das Unternehmen unterstützt seine Forschungspartner in der Pharmaindustrie bei Lebertoxikologie, Stoffwechselkrankheiten (z.B. Diabetes und Lebererkrankungen) und in der Onkologie

 

Text: Martin Gollmer; Fotos: zVg