«Schlieren wird eine Schwammstadt»

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Als Projektleiterin für Strassensanierungen im Bereich Tiefbau hat sich Nadine Gubser intensiv mit Verkehrs- und Umweltfragen befasst. Im letzten Jahr wechselte sie in den Bereich Stadtplanung und setzt nun mit ihrem vielseitigen Fachwissen Akzente auf, unter und neben Strassen.

Du warst während zehn Jahren im Bereich Tiefbau der Stadt tätig. Was hat dich an diesem technischen Beruf besonders fasziniert?

Diese Arbeit hat mich erfüllt und mir immer Freude gemacht. In dieser Zeit habe ich mich besonders mit der Entwässerung von Liegenschaften auseinandergesetzt. Die Stadt Schlieren verfolgt das Ziel, dass bei Gebäuden sämtliches Regenwasser versickert wird, und zwar nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei alten Gebäuden, die saniert werden.

Weshalb ist die Versickerung des Regenwassers so wichtig?

Weil wir durch die hohe Bautätigkeit viele Flächen versiegelt haben, gelangt immer weniger Regenwasser ins Erdreich. Dies hat viele negative Auswirkungen: Die Bäume, die wichtig sind für die Regulierung der klimatischen Bedingungen, leiden unter der zunehmenden Trockenheit. Das Grundwasser wird reduziert und gleichzeitig die Kanalisation überlastet, was zu Überschwemmungen bei heftigen Unwettern führen kann. Ausserdem sind die Kläranlagen zu klein, um auch noch das Regenwasser zu fassen.

In seinem Regierungsprogramm hat der Stadtrat festgehalten, dass die Idee Schwammstadt im öffentlichen Raum verstetigt werden soll. Was ist damit gemeint?

Um die Hitze in der Stadt zu reduzieren, müssen wir mehr Regenwasser zurückhalten und über Bäume verdunsten lassen. Die Schwammstadt ist die Antwort auf die zu vielen versiegelten Flächen. Im öffentlichen Raum müssen wir den Pflanzen genügend Raum zur Verfügung stellen und vermehrt Pflanzen setzen, deren Wurzeln tief ins Erdreich gelangen. Das heisst, dass wir schon bei der Planung auf ausreichend tiefe Baumgruben achten. Und bei Parkplätzen sollen sickerfähige Beläge eingesetzt werden.

Was hat deinen Wechsel in die Stadtplanung ausgelöst?

Seit je her habe ich mich mit Verkehrs- und Umweltfragen befasst und die planerische Seite, die einem Strassenprojekt vorausgeht, hat mich zunehmend interessiert. Der Wechsel in den Bereich Stadtplanung ist die Erfüllung eines lang gehegten Traums.

Welche Aufgaben deckt der Bereich Stadtentwicklung ab?

In unserem Bereich sind drei Spezialistinnen tätig: die Bereichsleiterin koordiniert die gesamten planerischen Aufgaben und befasst sich hauptsächlich mit dem bebauten Siedlungsraum. Meine Kollegin widmet sich zur Hauptsache den Frei- und Grünräume und bei mir liegt der Fokus auf dem Bereich Strassen und Mobilität. Höchste Priorität hat im Zentrum die Verkehrsplanung im Zusammenhang mit den Verkehrsknoten, Überbauungen und der Entwicklung der Grünen Mitte. Auch die Revision der Bau- und Zonenordnung ist eine Aufgabe, die hohe Priorität hat.

Wie geht es weiter mit dem Projekt Begegnungszone am Bahnhof?

Für dieses Projekt war ich von der ersten Stunde an verantwortlich. Nun wird die Ausführungsplanung im Bereich Tiefbau weitergeführt, und ich unterstütze das Team in speziellen Themen. Sobald die Planauflagen abgeschlossen sind, wird das Ausführungsprojekt ausgearbeitet und anschliessend die Submissionen durchgeführt.

Was für einen Zusammenhang hat denn die aktuelle Baustelle am Bahnhof mit dem Projekt Begegnungszone?

Die Bauarbeiten rund um den Bahnhof sind von den SBB. Der Vorplatz des Bahnhofs wird neu gestaltet mit einem Kiosk und einem grossen Wasserbecken. Die Gestaltung wurde auf das Projekt Begegnungszone der Stadt abgestimmt. Auf die Versickerung des Regenwassers legen wir auch in diesem Projekt grossen Wert. Es werden mehr Bäume gepflanzt, und das Regenwasser wird in den Baumgruben versickert. Dadurch haben die Bäume mehr Wasser, und der Hitze- und Trockenstress im Sommer wird reduziert. Weitere hitzemindernde Massnahmen sind neue, unversiegelte Flächen wie die Kiesflächen bei den Plätzen sowie die grosszügigen Baumscheiben, die mit Stauden und Blumen biodivers erstellt werden. Nebst den klimatischen Zielen wollen wir mit mehr Grünflächen und neuen Plätzen – beispielsweise bei der Bibliothek oder Restaurants und Cafés – die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum verbessern.

Was tut sich an der Brandstrasse?

An der Brandstrasse soll eine Zone 30 erstellt werden. Hier sollen die Aufenthaltsqualität und die Sicherheit, insbesondere der Schulweg für Kinder, verbessert werden. Der motorisierte Individualverkehr weist hier einen hohen Lastwagenanteil auf, und die breite Strasse verführt zum schnellen Fahren. Das ist nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern auch verbunden mit Lärmemissionen, die reduziert werden sollen.

Welche städteplanerischen Projekte stehen als nächstes an?

Der Verkehr – und damit die Mobilität – ist in Schlieren ein wichtiges Thema. Für viele Autofahrende sind die Staus ein Ärgernis. Dass die Bevölkerung mit der Situation unzufrieden ist, nehmen wir ernst. Deshalb werden wir im Rahmen der Verkehrsplanung prüfen, wie die Situation an den Verkehrsknotenpunkten für alle Verkehrsteilnehmenden verbessert werden kann. Allerdings sind unsere Handlungsspielräume klein, da wir über die Kantonsstrassen nicht einfach verfügen können wie wir es gerne möchten. Sowohl der Velo- als auch der Fussverkehr und der Öffentliche Verkehr müssen in die Überlegungen miteinbezogen werden. Der Kanton setzt deshalb unter anderem auch auf die Entwicklung von kantonalen Veloschnellrouten.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Ich habe viele Sitzungen, etwa mit Fachpersonen der Baudirektion, Ingenieurbüros und Verkehrsplanenden, aber auch interne Besprechungen mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Abteilungen Sicherheit und Gesundheit sowie Werke, Versorgung und Anlagen. So werden Lösungen bei der Umgestaltung von Strassen und Plätzen erarbeitet. Dabei muss ich auch Termine koordinieren und überwachen.

Welches ist dein Lieblingsort in Schlieren?

Mein Lieblingsort ist der Haselmoosweiher im Schlieremer Wald. Ein versteckter Ort mit bezaubernder Atmosphäre. Psst, nicht weitersagen, es soll dort so bleiben.

Nadine Gubser stellt sich vor:
In Schlieren tätig seit 2010
Ausbildung: Tiefbauzeichnerin, höhere Fachschule
Bereich Tiefbau, CAS Stadtraum Strasse an der ZHAW
Wohnhaft in Zürich
Hobbies: Schrebergarten, nähen, Skitouren, Velo fahren

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