Montag, Mai 20, 2024
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«Unterricht gut strukturiert und abwechslungsreich»

Schlieren zählt sechs verschiedene Schulen. In Teil 1 der neuen Serie «Schul(haus)porträts» stellen wir die Schule Grabenstrasse vor. Sie hat ihren Namen vom sogenannten «grünen Schulhaus» Grabenstrasse. Es ist das älteste Schulhaus, das in der Stadt noch für Bildungszwecke genutzt wird.

«Vier Standorte – eine Schule, 30 Lehr- und Fachpersonen – ein Team, 190 Schülerinnen und Schüler – eine Gemeinschaft»: So beschreibt Regula Waigel, Schulleiterin der Schule Grabenstrasse, auf der Website der Schule Schlieren in Kürze ihre Schule. Waigel leitet die Schule Grabenstrasse seit 2007; seit 1997 unterrichtet sie in Schlieren, zuerst kurz im Schulhaus Hofacker, dann im Schulhaus Grabenstrasse. Gefragt nach einem Slogan oder Leitmotiv für ihre Schule zögert sie kurz, sagt dann aber: «Wir pflegen ein sehr kooperatives und wertschätzendes Verhältnis unter den Lehrpersonen, mit den Schülerinnen und Schülern sowie mit allen weiteren Beteiligten.»

Und das sind die vier Standorte der Schule Grabenstrasse:
Schulhaus und Turnhalle Grabenstrasse: Das Schulhaus Grabenstrasse, auch genannt das «grüne Schulhaus», wurde 1901 erbaut. Architekt war Adolf Asper, der im Raum Zürich für verschiedene repräsentative Bauten verantwortlich war. Das Schulhaus Grabenstrasse ist das älteste sich in Schlieren noch in Betrieb befindende Schulhaus. Entsprechend der damals modernen Pädagogik wurde es mit sechs nach Süden ausgerichteten, dreiseitig belichteten Klassenzimmern ausgestattet. Diese sind auch noch für heutige Begriffe gross – um die hundert Quadratmeter – und mussten anfänglich bis zu 60 Schulkindern Platz bieten. 1960 wurde das Schulhaus erweitert mit zwei Handarbeitszimmern im Dachgeschoss. 1987 wurde im Keller ein Theater eingebaut. Im Schulhaus Grabenstrasse sind heute fünf Unterstufenklassen und eine Mittelstufenklasse untergebracht.

Die Turnhalle wurde gleichzeitig mit dem Schulhaus errichtet. Es war die erste Turnhalle in Schlieren. Architekt war wiederum Adolf Asper. 1941 erfolgte ein Anbau gegen Süden, um Platz für Garderoben und Geräteräume zu schaffen.

Schulhaus Nähhüsli: Erbaut wurde es 1910 nach Plänen des Architekten Arnold Huber-Suter. Dieser realisierte in der ganzen Schweiz eine grosse Anzahl öffentlicher und privater Bauten. Das Nähhüsli war die erste öffentliche Vorschuleinrichtung in Schlieren und ist eine der ältesten im Kanton Zürich. Ermöglicht wurde der Bau mit grosszügiger Unterstützung von Caroline Geistlich als Antwort auf das unbefriedigende Los der Kinder von Fabrikarbeitern. 1962 erfolgte der Einbau einer Schulküche und eines Mittaghorts. 2017 wurde das Nähhüsli renoviert. Es weist hohe städtebauliche Qualitäten auf und ist kommunales Schutzobjekt. Heute sind im Nähhüsli ein Kindergarten, eine Einschulungsklasse und ein Hort einquartiert.

Das Schulhaus Nähhüsli, erbaut 1910.

Kindergärten Moos 1 und 2 sowie Turnhalle Moos: Der Kindergarten Moos 1 und die Turnhalle Moos wurden 1952 unter der anfänglichen Leitung von Architekt Walter Henauer erbaut und von Nachfolger Ronald Rohn fertiggestellt. Henauer war einer der ganz grossen Architekten in der Schweiz und wirkte unter anderem an der Landesausstellung («Landi») 1939 und am Bau der alten Zürcher Börse mit. Die beiden Gebäude im Moos sind im «Landistil» errichtet, gelten als wichtige architekturgeschichtliche Zeugen und als unbedingt erhaltenswert. Die Räume des Kindergartens sind grosszügig gestaltet. Im Untergeschoss der Turnhalle befindet sich immer noch ein Sägemehlkeller für den Schwingsport. In der Turnhalle wurden auch Theater auf- und einmal sogar eine Gemeindeversammlung durchgeführt. Das Ensemble wurde 2019 renoviert. Der Kindergarten Moos 2 ist neueren Datums.

Der Kindergarten Moos 1, erbaut 1952.

Natur- und Bewegungskindergarten Wurzelzwerg: Er besteht seit dem Schuljahr 2015/16 und orientiert sich am Lehrplan eines normalen Kindergartens. Aber er findet zum grössten Teil draussen im Waldsofa beim alten Reitplatz auf dem Schlieremer Berg statt. Bei schlechten Wetterverhältnissen dient das Pfadiheim oberhalb der Bahnunterführung Uitikonerstrasse als Rückzugsort. Der Waldkindergarten steht allen Kindern in Schlieren offen; allerdings gibt es eine Platzbeschränkung auf 20 Kinder.

An der Schule Grabenstrasse unterrichten 30 Lehrpersonen und sechs Assistenzen, die im Unterricht Kinder und/oder Lehrpersonen unterstützen. Bis auf vier Männer sind alle Lehrpersonen und Assistenzen Frauen. Die Fluktuation im Lehrkörper, an vielen Schulen ein Problem, hält sich gemäss Schulleiterin Waigel an der Schule Grabenstrasse in engen Grenzen.

Eine multikulturelle…
Die Schule Grabenstrasse besuchen rund 190 Schülerinnen und Schüler. Sie stammen aus nicht weniger als 31 Nationen. In Schlieren kommen sie aus einem Gebiet zwischen der Stadtgrenze zu Zürich-Altstetten im Osten und der Uitikonerstrasse im Westen sowie der Rütistrasse im Norden und dem Schlieremer Berg im Süden. Für die Kinder bestehen Tagesstrukturen in den Horten Nähhüsli und Schärerwiese.

Die Schule Grabenstrasse ist also im wahrsten Sinne des Wortes eine multikulturelle Schule. Sie nimmt deshalb auch Teil am QUIMS-Programm. QUIMS steht für Qualität in Multikulturellen Schulen. Das Programm wurde 2007 vom Kanton Zürich eingeführt und ist für Schulen vorgesehen, die einen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund von mindestens 40 Prozent aufweisen. Schwerpunkte im Unterricht sind Sprachförderung, Integration und Schulerfolg. Das QUIMS-Programm sieht spezielle Weiterbildungen für Lehrpersonen vor. Im Angebot für Eltern sind auch Sprachkurse und ein Elterncafé. Dieses war zuletzt aber wegen Corona nicht in Betrieb.

…und eine gesunde Schule
Seit dem Schuljahr 2019/20 ist die Schule Grabenstrasse zudem Mitglied im Schulnetz 21, dem kantonalen Netzwerk gesundheitsfördernder und nachhaltiger Schulen. In diesem Zusammenhang gibt es für alle Klassen einen Obstkorb für einen gesunden Znüni. Zurzeit aufgegleist wird gemäss Schulleiterin Waigel ein Projekt für Unterricht draussen in der freien Natur.

Zur Förderung des Zusammenhalts unter den Schülerinnen und Schülern finden zahlreiche klassen- und stufenübergreifende Anlässe statt. Diese werden teilweise zusammen mit der benachbarten Schule Schulstrasse, mit der die Schule Grabenstrasse einen grossen Pausenplatz und die Turnhalle teilt, durchgeführt. Zu diesen Anlässen zählen etwa ein Schulstartfest im August zur Begrüssung der neuen Schülerinnen und Schüler, ein Sporttag für die Mittelstufenklassen, ein Spielenachmittag zum Kennenlernen neuer Spiele, ein Sommerfest vor den Sommerferien, an dem die Schülerinnen und Schüler ein Thema vor den Eltern präsentieren, eine vom Schülerrat organisierte Disco, der Räbeliechtliumzug und der Schulsilvester.

Die Eltern können an den Aktivitäten der Schule Grabenstrasse über ein Elternforum partizipieren. Dieses unterstützt die Anlässe der Schule gemäss Waigel personell und kulinarisch. Im Elternforum sind aus jeder Klasse zwei Eltern Mitglied. Allerdings pausiert das Elternforum zurzeit seit über einem Jahr coronabedingt.

Sehr gute externe Beurteilung
2019/20 wurde die Schule Grabenstrasse durch die Fachstelle für Schulbeurteilung der Bildungsdirektion des Kantons Zürich einer Evaluation unterzogen. Dabei erhielt die Schule durchwegs sehr gute Noten. Zur Unterrichtsgestaltung heisst es etwa im Evaluationsbericht: «Die Lehrpersonen bauen den Unterricht gut strukturiert und abwechslungsreich auf. Sie bieten den Schulkindern einen klaren Orientierungsrahmen und fördern mit angemessenen Massnahmen ein positives Lernklima.» Und zur Schulführung ist im Bericht zu lesen: «Die Schule wird im personellen, pädagogischen und organisatorischen Bereich vorbildlich geführt.»

Für Schulleiterin Waigel zeigt der Evaluationsbericht, «dass wir einen sehr guten Job machen und über sehr engagierte Lehrpersonen verfügen». Trotzdem sieht sie noch Handlungsbedarf. Ein grosses Thema sei dabei das Zustandebringen einer vergleichbaren Beurteilung der Kinder über die Klassen hinweg. Das sei «eine grosse Herausforderung», denn die Beurteilungspraxis müsse im Zusammenhang mit dem neuen kompetenzorientierten Lehrplan angepasst werden. Die vergleichbare Beurteilung ist deshalb für Waigel «ein Bereich, den wir gezielt weiterentwickeln». 

Text und Fotos: Martin Gollmer, Mitarbeit: Philipp Meier

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