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Wer bleibt, wer verschwindet?

Um die seltsamen Launen der Musikgeschichte geht es im Konzert des stadtorchester­SCHLIEREN, das unter dem Titel VERGISSMEINNICHT am Sonntag, 8. Dezember 2019, um 17.00 Uhr in der reformierten Kirche Schlieren aufgeführt wird.

 

Kennen Sie Mozart? «Ja, natürlich», werden die meisten Leute auf diese Frage antworten. Und wer noch nie bewusst ein Musikstück von Mozart gehört hat, erkennt wahrscheinlich zumindest gewisse Melodien beim Hören, hat den Film «Amadeus» gesehen oder schon mal eine Mozartkugel gegessen.

 

Kennen Sie Abel? Auf diese Frage wissen hingegen nur Leute mit Spezialwissen eine Antwort. Wer im Internet sucht, findet «Mozart» an erster Stelle; für «Abel» muss man sich durch mehrere Seiten kämpfen, bis man einen Eintrag findet. Dabei war Carl Friedrich Abel als Komponist und brillanter Gambensolist einer der angesehendsten Künstler des 18. Jahrhunderts. Seine Sinfonie op. 7/6 wurde vom jungen Mozart zu Studienzwecken kopiert und danach lange fälschlicherweise als Mozartkomposition angesehen.

 

Es gibt einige Parallelen im Lebenslauf der beiden Komponisten, nicht zuletzt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen sie zeitweise kämpfen mussten. Abel geriet gegen Ende seines Lebens in eine Abwärtsspirale, wurde zum Trinker und starb 1787 verarmt. Mozarts Briefe aus der Zeit, in der sein Konzert für Flöte und Harfe entstand, zeugen von fehlgeschlagenen Aufführungen und unbezahlten Unterrichtsstunden und Kompositionen. Trotz Gemeinsamkeiten ist aber Mozart heute omnipräsent, während Abel in der Obskurität verschwunden ist.

 

Im ersten Teil des Konzerts stehen sich die bereits erwähnte, von Mozart kopierte Sinfonie von C.F. Abel und das Konzert für Flöte, Harfe und Orchester von W.A. Mozart, gegenüber – ein Direktvergleich der beiden Zeitgenossen also. Solistinnen sind Evamaria Felder, Flöte, und Joanna Thalmann, Harfe. Wer übrigens Abel nicht kannte, befindet sich in bester Gesellschaft: auch Evamaria Felder musste zugeben, dass ihr der Komponist Abel vorher nicht bekannt gewesen war.

 

Im zweiten Teil geht es ebenfalls um zwei Komponisten, von denen der eine dank seinen «Easy Listening» Hits unsterblich bleibt, während der andere fast völlig in Vergessenheit geraten ist. 1929 wurde Albert William Ketèlbey zu «Britain’s greatest living composer» erklärt. Doch trotz dieses Titels kennt ihn und sein Werk kaum noch jemand. Leroy Anderson dagegen bleibt bis heute ein erfolgreicher Vertreter der sogenannten «Light Music».

 

Im Konzert spielt das stadtorchesterSCHLIEREN zuerst die Werke «In the Moonlight» und «Wedgewood Blue» von Ketèlbey und danach von Leroy Anderson «Jazz Legato» – «Jazz Pizzicato» und zum Abschluss den von weihnachtlichen Glöckchen begleiteten «Sleigh Ride». Auch hier bekommt das Publikum also einen direkten Vergleich zu hören. Entscheiden Sie selbst, was Sie von den seltsamen Launen der Musikgeschichte halten!

 

Text und Fotos: ZVG