Wo in der Stadt unten noch gebauert wird

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Im «Schlieremer» vom vergangenen Mai haben wir die drei Bauern und
ihre Höfe auf dem Schlieremer Berg vorgestellt. In dieser Ausgabe sind die zwei Landwirte und ihre Betriebe in der Stadt unten dran. Sie haben sich beide dem biologischen Ackerbau verschrieben
und arbeiten eng zusammen.

Wer diesen Sommer mit Bauern spricht, kommt fast automatisch auch auf das Wetter zu reden. Wir erlebten einen «katastrophalen, nassen Sommer», sagt denn auch Christian Meier beim Besuch des «Schlieremers» auf seinem Hof am Schürrainweg. Die Folge werde sein, dass der Ertrag leide. Aber er habe Glück, denn seine Äcker lägen am Hang, und er habe keine schweren Böden. Deshalb trockne es noch gut ab bei ihm.

Von «ganz schwierigem Wetter dieses Jahr» spricht auch Lukas Weidmann. Seit Mai habe es nur kleine Zeitfenster gegeben, an denen man etwas auf dem Acker machen konnte. Jetzt hofft er auf einen guten Spätsommer, sonst werde es schwierig mit der Ernte. Das Wetter erweise sich einmal mehr als die grosse Herausforderung für einen Bauern, sagt Weidmann. Weil es in der Schweiz relativ unbeständig sei, könne man nur wenig länger im Voraus planen. Damit müsse man umgehen können. Auch der Klimawandel werde das Bauern in Zukunft noch erschweren.

Weidmann bewirtschaftet den Hof an der Sägestrasse in fünfter Generation. Vor drei Jahren hat er ihn voll übernommen. Sein Grossvater habe aufgehört mit Kühen zu arbeiten. Er sei einer der ersten viehlosen Bauern in der Schweiz gewesen. Sein Vater habe dann zusätzlich noch auf Bio umgestellt – auch als einer der ersten Landwirte in der Schweiz. Aus dem ehemaligen Kuhstall machte der Vater später eine Kunstschmiede, die er heute noch betreibt.

Kunstschmied ist denn auch die Erstausbildung des 34-jährigen Weidmann junior. Als Zweitausbildung hängte er dann noch eine Landwirtschaftslehre an. Schliesslich absolvierte er ein Studium zum Umweltingenieur mit Vertiefung Biolandbau in Wädenswil.

Kichererbsen als Neuheit
Weidmanns Betrieb umfasst 32 Hektaren Land. Bis auf knapp drei Hektaren ist alles gepachtet. Die Äcker befinden sich zu zwei Drittel in Urdorf, der Rest liegt in Schlieren im Färberhüsli und im Zelgli. Auf ihnen befolgt Weidmann eine achtjährige Fruchtfolge. Die Produkte, die er dabei anbaut, sind Rotklee für Saatgut sowie Winterweizen, Speisehafer, Soja, Hirse, Öllein und Kichererbsen für die menschliche Ernährung.

Der Anbau von Kichererbsen ist neu für Weidmann. Er macht dies als einer der ersten Bauern in der Schweiz. Kichererbsen seien Pflanzen aus dem Süden, die trockenes Klima bevorzugen. Wie sie sich in der Schweiz bei feuchteren Verhältnissen verhalten, habe man noch wenig Erfahrung. Die Kichererbsen liefert er an das Nahrungsmittel-Startup Fyn-Food in Zürich, das daraus Schweizer Hummus macht.

Weidmann bewirtschaftet seinen Hof allein. Dieser sei so aufgestellt, dass eine Person alles allein machen könne. In strengen Zeiten kann er aber noch auf die Hilfe seines Vaters zählen. Weidmann besitzt denn auch einen grossen Fuhrpark: drei Traktoren, drei Wagen und diverse Bodenbearbeitungsmaschinen. In der kleinen Scheune an der Sägestrasse haben alle diese Maschinen natürlich nicht Platz; sie sind in einem Gebäude im Zelgli untergebracht. Zusätzlich zu den 32 Hektaren seines Betriebs bearbeitet Weidmann mit diesen Maschinen auch noch rund acht Hektaren Ackerfläche seines Kollegen Meier.

Pfluglose Bodenbearbeitung
Ein Pflug gehört aber nicht zum Maschinenpark von Weidmann. Er bearbeitet alle Äcker pfluglos. «Das ist besser für das Bodenleben», sagt der Jungbauer, der sich während seines Studiums auf Bodenökologie spezialisiert hat. Müsse er in einem Acker tiefer gehen, habe er eine Spatenmaschine zur Verfügung. «Ich will fruchtbare Böden erhalten und ein gutes Beispiel sein als Landwirt», sagt Weidmann. «Man arbeitet hier in Schlieren nahe an der Bevölkerung.»

Weidmann lebt im umgebauten ehemaligen Bauernhaus an der Sägestrasse in einer Wohngemeinschaft zusammen mit drei Kollegen. Da er tagsüber viel allein sei, schätze er es, wenn abends etwas los sei zu Hause, sagt er. In seiner Freizeit spielt er Trompete und Tuba in einer Band, die Trash Blues macht – eine Mischung aus Blues, Folk, Pop und Rock. Das ganze sei sehr theatralisch. Die Band schreibt ihre Songs selber.

Weidmanns Berufskollege Christian Meier bewirtschaftet zehn Hektaren Land – alles rund um den Hof am Schürrainweg herum. Fünf Hektaren gehören dabei Meier, der Rest ist gepachtet. Auf dem Land pflanzt Meier Weizen, Dinkel, Hirse und Soja sowie Klee für die Samenproduktion an. Die mechanischen Arbeiten auf seinen Äckern lässt er von Weidmann ausführen. Meiers Maschinenpark ist denn auch klein; nur zwei Traktoren ein Wagen, eine Baumspritze und ein Motormäher gehören dazu.
Als grösste Herausforderung für einen Bio-Ackerbauern nennt Meier Unkraut und Schädlinge. «Das muss man im Griff haben», sagt er. Denn chemische Gegenmittel dürfe man nicht einsetzen. Doch er habe bis jetzt Glück und kaum Probleme gehabt. Einzig mit Blacken habe er zu kämpfen.

Vom Obstbau zum Ackerbau
Der gelernte Obstbauer führte bis vor wenigen Jahren einen Obstbaubetrieb am Schürrainweg. Doch hätte er investieren und Obstbaumanlage sowie Vogelnetz erneuern müssen. Die Neuerungen hätten eine Lebenszeit von zwanzig Jahren gehabt. Da der 59-jährige Meier damals nur noch gut zehn Jahre bis zu seiner Pensionierung vor sich hatte, entschied er, seinen Betrieb auf biologischen Ackerbau umzustellen. Bio gehe gut im Ackerbau, sagt er. Zudem gebe es höhere Direktzahlungen des Bundes und könnten höhere Produktpreise gelöst werden.

Zehn Hektaren geben zu wenig her für einen Bauern, um davon leben zu können. Das weiss auch Meier. Aber er besitzt noch ein 8-Familienhaus, das Ertrag abwirft. Zudem sitzt er seit über zwanzig Jahren für die SVP als Stadtrat in Schlierens Exekutive. Das Amt gibt er nächstes Jahr ab. «Meine drei Kinder sind erwachsen und draussen. Das erlaubt es mir, kürzer zu treten», sagt Meier.

Meiers Hof steht seit 1956 am Schürrainweg. Zu ihm gehören ein Ökonomiegebäude und ein Wohnhaus. Zuvor befand sich der Hof am Rand des heutigen Stadtparks, dort wo zurzeit ein Alterszentrum geplant wird. Da Meiers Kinder sich nicht für die Landwirtschaft entschieden haben, wird der Betrieb nach Meiers Pensionierung in sechs Jahren aufhören zu existieren. Das Ökonomiegebäude und das Land will er dann verpachten. In Schlieren wird es deshalb vermutlich bald einmal nur noch vier statt fünf Bauern geben. 

Die Schlieremer Stadtbauern pflegen den
biologischen Ackerbau: Weizenfeld von Christian Meier.

Text und Bilder: Martin Gollmer

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