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Zivilschutz im Covid-19-Einsatz: «Pandemie verlangt Flexibilität»

Die drei Zivilschutzorganisationen Region Dietikon, Gubrist und Limmattal-Süd haben sich zur Bewältigung der Krise temporär zusammengeschlossen. In der ersten Pandemie dieser Art wurden wichtige Erfahrungen für die Zukunft gesammelt.

In einer Pandemie ist es Aufgabe des Zivilschutzes, die Partnerorganisationen des Gesundheitswesens wie Spitex, Alters- und Pflegeheime sowie Spitäler zu unterstützen. Obwohl Konzepte vorlagen und Pandemie-Übungen in den Wiederholungskursen durchgeführt worden waren, erfasste Urs Kümmerli, Leiter des Bevölkerungsschutzes und Kommandant der Zivilschutzorganisation Limmattal-Süd, zu Beginn der Krise sofort, dass die Strukturen und Prozesse der drei Zivilschutzorganisationen im Bezirk Dietikon der bevorstehenden Welle kaum standhalten würden: «Ich sah am Fernsehen die schockierenden Bilder des überforderten Gesundheitssystems von Italien. Was da auf uns zuzukommen drohte, war weitaus mehr, als wir uns bisher vorgestellt hatten.» Deshalb schlug er vor, die drei Zivilschutzorganisationen in dieser Ausnahmesituation temporär zusammenzuführen, was dann auch von den zuständigen Gemeindebehörden genehmigt wurde. Die Zusammenführung verlangte auf allen Stufen viel Vertrauen und Flexibilität. Nachdem Kümmerli das Kommando über die neue Organisation mit insgesamt 700 Zivilschützenden übertragen worden war, widmete er sich sofort der Überprüfung der verschiedenen Prozesse. Er liess Abläufe wie das Aufgebotsverfahren überarbeiten, verfeinerte Konzepte für den Selbstschutz und liess eine entsprechende Schulung vorbereiten. Fahrzeuge wurden dem Einsatz entsprechend ausgestattet sowie Kleiderfass- und Wechselstationen eingerichtet, um die Sicherheit der eigenen Reihen zu gewährleisten. Um festzustellen, wer von den rund 700 Angehörigen des Zivilschutzes wann und wie aufgeboten werden kann, liess Kümmerli alle telefonisch kontaktieren. Dabei musste unter anderem erhoben werden, wer zu den Risikogruppen zählt.

Zunächst unterstützte der Zivilschutz das Spital Limmattal. Die Aufgaben umfassten die Prätriage vor dem Notfall- und dem Haupteingang, den Transport von getesteten wie auch bereits positiv diagnostizierten Patienten sowie die personelle Unterstützung der Küche und anderer Bereiche. Auch in verschiedenen Heimen und Pflegeeinrichtungen war der Zivilschutz tätig. Die meisten Dienstleistenden standen mit der Corona-Pandemie das erste Mal in einem Einsatz dieser Grösse. Lange Arbeitstage mit verschärften Sicherheits- und Hygienemassnahmen in teilweise psychisch belastenden Situationen waren Herausforderungen, welche gemeistert werden mussten. Urs Kümmerli ist beeindruckt vom Einsatz- und Leistungswillen seiner Leute: «Sie gaben in diesen schwierigen Tagen wirklich alles, um ihre Aufträge pflichtbewusst und sicher zu erfüllen.» In wenigen Momenten, so muss er selber zugeben, stiess auch er an seine Belastungsgrenze.

In den vergangenen Monaten haben die Zivilschutzorganisationen des Bezirks bewiesen, dass sie jederzeit wieder zusammenarbeiten können. «Von diesen Erfahrungen können wir in künftigen Einsätzen profitieren», sagt Urs Kümmerli. Dennoch sieht der Kommandant Handlungsbedarf. Aus seiner Sicht sollten die Einheiten dauerhaft zu grösseren Organisationen zusammengeschlossen werden, um effizienter und rascher agieren zu können. In den Wiederholungskursen müssen die Anforderungen von Pandemien besser geschult werden. Zwar seien diverse Revisionspläne auf Bund- und Kantonsebene im Bereich Bevölkerungsschutz bereits in Bearbeitung. Er wünscht sich, dass die Erfahrungen, welche nun an der Front gemacht worden sind, vermehrt berücksichtigt werden.