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Das Wagi-Museum plant die Zukunft

Schlierens Industrieerbe soll noch mehr Menschen zugänglich gemacht und über die Kantonsgrenze hinaus bekannt werden. Das Wagi-Museum plant den Umzug in ein grösseres Gebäude und will mit Kulissenbau und Virtual Reality ein einzigartiges Erlebnis schaffen.

Das Wagi-Museum in Schlieren feierte am 2. September 2017 Eröffnung. Seitdem gehen die Besucherzahlen durch die Decke: «Im ersten Jahr zählten wir 800 Besucher. 2019 waren es bereits 1700. Wir dachten zunächst, dass das Museum vor allem bei ehemaligen Arbeitern, deren Angehörigen sowie Leuten aus der Region Limmattal auf Interesse stossen wird», sagt Betriebsleiter Patrick Bigler. Doch der eigens für den Betrieb des Museums gegründete Verein WAGI Schlieren wurde eines Besseren belehrt: Die Menschen strömen von überall aus der Schweiz nach Schlieren: «Wir empfangen Gruppen aus Basel oder sogar der Romandie», weiss Bigler.

Auf sich aufmerksam macht das Museum zum einen über die Social-Media-Kanäle wie Facebook oder Instagram, aber auch an Bahnfestivals oder verschiedenen Anlässen der SBB ist der Verein präsent. «Wir leisten viel Frontarbeit, nehmen an Events teil, verteilen Flyer und führen persönliche Gespräche», erklärt Bigler. Die rapide Steigerung der Besucherzahl hat den Vorstand in der kurzen Zeit der Museumsgeschichte bereits dazu veranlasst, eine Vergrösserung des Museums anzustreben.

Denn das Museum hat ein Platzproblem: Heute stehen Besuchern nur gerade 100 Quadratmeter zur Verfügung. Gruppen können mit maximal 30 Leuten besetzt werden. «Gerade in der aktuellen Coronavirus-Thematik können wir auf so kleinem Raum die Abstandsregeln nicht einhalten», sagt der Betriebsleiter. Die Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren AG hat via Stadt Schlieren dem Verein den Umzug des Wagi-Museums in ein zweistöckiges Gebäude mit einer grossen Halle auf rund 650 Quadratmetern angeboten. Dort könnten Gruppen von 50 bis 60 Personen empfangen werden. Die Liegenschaft befindet sich ausserdem ebenfalls an der Wagistrasse und würde dem Museum neue Möglichkeiten eröffnen: «Wir könnten deutlich grössere Exponate ausstellen, zum Beispiel ein Tram oder auch einmal ein Pneufahrzeug», sagt Bigler.

Spannendes Museumskonzept
Gibt die Stadt Schlieren dem vom Verein eingereichten Gesuch für die Unterstützung zur Einmietung des Wagi-Museums in die grössere Liegenschaft statt, könnte der Umzug schon im Sommer 2020 beginnen. Die Stadt Schlieren würde dabei die Liegenschaft mieten und – analog dem Ortsmuseum – diese dem Verein WAGI Schlieren mit einer Leistungsvereinbarung für den Betrieb zur Verfügung stellen. Die Pläne für das vergrösserte Museum liegen bereits vor. «Wir planen ein spannendes Museumskonzept, dass es so im Kanton Zürich noch nicht gibt», sagt Bigler.

Geplant ist ein Kulissenbau – die Besucher sollen 1:1 in die Blütezeit der Waggonsfabrik Schlieren zurückversetzt werden. «Die alten Fabrikhallen werden nachgebaut, es wird Material rumstehen, und in der Mitte des Museums findet sich ein altes Tram sowie ein Restaurant», verrät der Betriebsleiter. Zahlreiche Multimedia-Gadgets wie Screens und Touch-Screens werden zur Verfügung stehen. Vor Ort soll es Virtual-Reality-Brillen geben: Besucher setzten diese auf und finden sich im Jahr 1903 wieder. Sie sehen, wie Arbeiter in den alten Fabrikhallen zu Gange sind und können sich in Ruhe umschauen.

Um- und Ausbau kostet Geld
Das bereits bestehende Online-Angebot wie beispielsweise das E-Archiv verzeichnet schon seit Beginn viele Klicks. «Wir haben viele Privatpersonen mit Interesse am Modellbau wie auch spezialisierte Firmen, die das Archiv rege frequentieren», sagt Bigler. Seit der Coronavirus-Krise verzeichne das Archiv noch mehr Verkehr als sonst. «Wir haben deshalb das Archiv aufgestockt und gewisse Sachen öffentlich gemacht. Wir wollen hier in Richtung Open Source gehen und sind laufend daran, die Digitalisierung voranzutreiben», erklärt Bigler. Ist das Wagi-Museum ausgebaut, soll zudem online ein virtueller Rundgang möglich sein.

Das alles kostet Geld: «Für den Aus- und Umbau benötigen wir mindestens 250 000 Franken», sagt Bigler. Die Finanzgeber sollen zum einen Stiftungen sein. Erstmals wird auch der kantonale Lotteriefonds angefragt. Ein weiterer Sponsor ist die Firma Schindler Aufzüge AG, welche die Waggonsfabrik 1960 übernommen hat und bereits heute ein wichtiger Partner des Museums ist. Schon heute unterstützen verschiedene Stiftungen und Sponsoren, wie beispielsweise die Stadt Schlieren, die Gewerbe- und Handelszentrum Schlieren AG sowie Migros Kultur Prozent oder eben die Firma Schindler das Museum, welches sich zudem über Mitgliederbeiträge und Spenden finanziert.

Die grösseren Räumlichkeiten würden auch Raum für neue Produkteportfolios schaffen: «Wir könnten neu auch die Bereiche Fahrzeug- und Flugzeugbau abdecken und damit nochmals ein neues Publikum ansprechen», erklärt Bigler. Ausserdem soll das neue Museum in den Randzeiten als Eventlokalität mietbar sein: «Dabei stehen die gesamten Räumlichkeiten mit Gastronomie, einer kleinen Bühne und Platz für 80 Leute zur Verfügung», sagt Bigler. Auch Konzerte könnten hier stattfinden. Die Öffnungszeiten für den regulären Museumsbetrieb sollen von bislang zwei auf neu vier Tage erhöht werden.

Das Wagi-Museum öffnet dieses Jahr am alten Standort nicht mehr. Das Schutzkonzept bezüglich des Coronavirus kann aufgrund der Raumfläche nicht eingehalten werden. Ausserdem will der Verein die Vorbereitungen für den hoffentlich erfolgreichen Umzug vorantreiben.
www.wagimuseum.ch

Text: Linda von Euw; Fotos: zVg