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In diesem Sport sind Schlierens Frauen die Meister

Im Faustball ist der Verein in Schlieren schon seit Jahren auf Erfolgskurs. Aushängeschild ist die Frauenmannschaft, die in der Nati A spielt. Die Schlieremerin Friederike Wilke spielt darüber hinaus in der Schweizer Nationalmannschaft und hat bis zum Corona-Ausbruch für die Weltmeisterschaft in Chile trainiert.

Schlieren ist in einer Sportart beachtlich erfolgreich: Faustball. Noch nie gehört? Das liegt vielleicht daran, dass der Sport in der Schweiz nur wenig populär ist. «Faustball ist ein Rückschlagsport, von den technischen Abläufen her ist er ähnlich wie Handball. Man spielt in zwei Teams à 5 Spielern. Der Ball darf nur mit einem Arm gespielt werden», erklärt Friederike Wilke, die zum erweiterten Kader der Schweizer Nationalmannschaft gehört und von Kindesbeinen an im Faustballverein Schlieren aktiv ist.

Den Hauptunterschied zum Volleyball sieht sie vor allem in der Länge des Feldes: «Das Spielfeld ist beim Faustball mit 50 auf 20 Meter viel grösser, man läuft mehr», sagt Wilke. Jede Spielerin hat ihre spezialisierte Position. Wilke steht hinten in der Verteidigung. Und das seit vielen Jahren mit Erfolg: Sie war bereits zweimal unter den zehn Nationalspielerinnen, die die Schweiz an einer Europa- wie auch an der Weltmeisterschaft im österreichischen Linz (2018) vertreten durften.

In Schlieren spielt Wilke in der Frauen-Nati A. Faustball wird das ganze Jahr hindurch trainiert: Im Sommer auf dem Rasen, im Winter in der Halle. In einer Turnstunde in der Primarschule wurde Wilke im Alter von 8 Jahren dieser Sport vorgestellt. Daraufhin trat sie dem Faustballverein STV Schlieren bei. «Noch heute spielen einige aus meiner damaligen Klasse im Verein», sagt Wilke. Es sei ein absoluter Teamsport, der sich eigentlich für jeden eigne. «Im Angriff ist es sicher vorteilhaft, wenn man etwas grösser ist, aber in den anderen Positionen zählen vor allem die Technik, die Wendigkeit und dass man den Gegner lesen kann», weiss die Nationalspielerin.

Faustball wird wie Tennis in Sätzen gespielt. Das heisst, ein Spiel kann eine halbe Stunde dauern oder auch drei Stunden. «Es ist ein schnelles Spiel. Man muss blitzschnell Entscheidungen treffen und kann keinen Spielzug alleine machen.» Die Frauen-Elite trainiert in Schlieren zweimal wöchentlich für jeweils zwei Stunden. Ausdauer- und Fitness stärkt jede Spielerin individuell und auf eigene Faust. Wilke trainiert in Spitzenzeiten täglich. Und das in ihrer Freizeit. Hauptberuflich ist sie Primarlehrerin. «Sportler, die Faustball hauptberuflich machen, gibt es praktisch keine», weiss die junge Frau. Dafür sei die Sportart einfach zu wenig bekannt.

Faustball wird vor allem im deutschsprachigen Gebiet gespielt oder in Ländern, die früher deutsche Kolonien waren. Deutschland steht denn auch an der Spitze in der Faustball-Rangliste. Dieses Jahr hätte im November die Faustball-Weltmeisterschaft in Chile stattfinden sollen. Wegen Corona wurde diese auf Sommer 2021 verschoben. «Ich hoffe, dass ich es dann wieder unter die zehn ersten Nationalspielerinnen schaffe», sagt Wilke. Geld gibt es im Faustball nur wenig zu verdienen. «Da bewegen wir uns an grossen Meisterschaften im kleinen dreistelligen Bereich. In diesem Sport geht es definitiv nicht ums Geld, was ich auch schön finde. Faustball ist sehr freundschaftlich – man kennt auch seine ausländischen Gegner und schätzt sie», erklärt die 26-Jährige.
Die Schlieremer Frauen-Elite durfte schon beachtliche Erfolge feiern: Sie gewannen mehrere Schweizer Meisterschaften und sind 6-fache Bronzemedaillen-Gewinnerinnen im Europacup in der Halle. Im Moment kämpfe man aber in erster Linie darum, nicht abzusteigen. «Zu unseren erfolgreichsten Zeiten hatten wir sehr viele talentierte Spielerinnen, die Faustball über alles andere stellten. Die Dynamik war perfekt», erklärt Wilke. Doch in letzter Zeit verzeichnete die erste Mannschaft viele Abgänge, jüngere Spielerinnen rückten nach. Diese bringen noch nicht so viel Erfahrung mit. «Wir müssen uns jetzt wiederfinden und eine gewisse Konstanz aufbauen», analysiert die erfahrene Spielerin.

Nachwuchs für den Sport zu gewinnen, sei eigentlich kein Problem. «Aber den Nachwuchs dann durch die Jugend hindurch zu behalten und gut in den Verein zu integrieren, das ist nicht so einfach», sagt die Primarlehrerin. Deshalb würden schweizweit die Spielerzahlen zurückgehen. «Viele Faustballvereine sind am Aussterben», bedauert die engagierte Sportlerin. Der Faustballverein in Schlieren gehört mit rund 160 Mitgliedern zu den grösseren in der Schweiz. Der Verein finanziert sich durch Mitgliederbeiträge und Sponsoren. Im August fand auf dem Sportplatz Unterrohr das Topländerspiel Schweiz gegen Deutschland statt. Für den Faustball STV Schlieren war die Organisation eines Länderspiels eine Premiere – und hoffentlich nicht die letzte dieser Art.

Auch die Männermannschaft auf Erfolgskurs
Im Faustballverein STV Schlieren sind derzeit auch die Männer sehr erfolgreich: Sie haben sich diesen Sommer an die Spitze der Nationallige B gespielt. Ende August entscheidet sich, ob sie den ersten Tabellenplatz verteidigen und so fortan an den Qualifikationsspielen für die Nationallige A teilnehmen können. Gut möglich, dass der STV Schlieren schon bald zwei Mannschaften in der ersten Liga hat.

 

Text: Linda von Euw; Fotos: zVg